Abfindungen
Kommentar: Überteuerte Pakte

Beschäftigungspakte, die vor betriebsbedingten Kündigungen schützen, sind auf den ersten Blick ein soziales Instrument. Sie sichern Beschäftigten eine Abfindung, wenn Jobs nicht erhalten werden können und sich ein Unternehmen von einem Teil seiner Mitarbeiter trennen muss.

Viele Firmen zahlen dafür allerdings einen hohen Preis: Opel musste schätzungsweise eine Milliarde Euro für sein jüngstes Sparprogramm auf den Tisch legen, bei Daimler-Chrysler könnte Ende dieses Jahres ein ähnlicher Betrag fällig sein.

Ein Großkonzern, der sich sein Geld vergleichsweise einfach bei den Banken oder an der Börse holt, kann solch hohe Abfindungen noch stemmen. Doch im Mittelstand, wo die Finanzierungsrisiken ungleich größer sind, sieht die Welt gleich ganz anders aus.

Zu großzügig ausgestattete Beschäftigungspakte können ein kleines Unternehmen in den Ruin treiben. Und dann verpufft die soziale Wirkung eines solchen Pakts gleich, weil die komplette Belegschaft eines Unternehmens ihren Arbeitsplatz verliert.

Extrem weich gepolsterte Abfindungspakete sind in Deutschland ein Relikt aus der Vergangenheit. Sie stammen noch aus einer Zeit, als die Wirtschaft ordentlich wuchs und es deshalb vergleichsweise viel zu verteilen gab. Heute ist auch auf diesem Feld ein größeres Maß an Flexibilität gefragt. Zu hohe Erwartungen wären völlig fehl am Platze. Darauf haben die Gewerkschaften in den Verhandlungen über Beschäftigungspakte zu achten. Sie müssen ihren Mitgliedern vermitteln, dass es im Zweifel eben nicht mehr die erhoffte große Abfindung geben kann.

Unternehmen müssen sich in schwierigen Zeiten von einem Teil ihrer Belegschaft trennen können. Es wäre extrem gefährlich, wenn ihnen die Belastung durch übertrieben ausgestattete Beschäftigungspakte diese Möglichkeit faktisch nehmen würde.zel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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