Akademischer Nachwuchs
Mittelstand lobt Stipendien aus

Immer mehr Unternehmen engagieren sich finanziell an den für sie interessanten Universitäten, stiften Lehrstühle und loben Stipendien aus. Nicht nur die großen deutschen Unternehmen ziehen sich mit Geld ihren eigenen akademischen Nachwuchs heran – im Kampf um Talente mischen auch die Mittelständler mit.

DÜSSELDORF. „Wir haben in Deutschland keinen Studiengebührenskandal, sondern einen Stipendienskandal!“ – so wetterte vor zwei Jahren der Geschäftsführer der Zeppelin Universität Friedrichshafen, Stephan A. Jansen, in der Presse. Gut ein Jahr zuvor hatten die meisten Landesregierungen die Einführung von Studiengebühren beschlossen und die Industrie aufgefordert, sich mit der Gründung einer umfangreichen Stipendienkultur an der Aus- und Weiterbildung ihrer künftigen Mitarbeiter zu beteiligen.

Zeit strich ins Land, die ersten Gebührenbescheide trudelten bei den Studenten ein, doch in Sachen Stipendien und Gebührensponsoring war aus den Reihen der Wirtschaft wenig passiert. Studierendenförderung war weiter vornehmlich Sache der elf Begabtenförderungswerke und der althergebrachten Familienstiftungen, die ohnehin schon seit Jahrzehnten als Bildungsmäzene unterwegs waren.

Mittlerweile, zwei Jahre weiter, ist die Stipendienwüste längst nicht mehr so trocken wie einst. Immer mehr Unternehmen engagieren sich finanziell an den für sie interessanten Universitäten, stiften Lehrstühle und loben Stipendien aus. Mal übernehmen sie „nur“ einige Semester lang die Studiengebühren für eine Handvoll Studenten, mal gibt’s noch was für die Lebenshaltung oben drauf.

Hinter dem neuen Engagement steckt dabei mehr als nur der von der Regierung eingeforderte Wille, auch etwas zur Bildung des akademischen Nachwuchses beizutragen. Vielmehr treibt der immer heftiger tobende Krieg um die Talente die Unternehmen dazu, ihren potenziellen Nachwuchs so zeitig wie möglich zu ködern. Und womit lässt sich das effektiver erreichen als mit dem, was Jungakademikern meistens fehlt: mit Geld. Leisteten sich aber bislang eher nur die namhaften Konzerne Stiftungen und Stipendiumsstrukturen, so testen in den letzten Monaten immer öfter auch wenig bekannte Mittelständler und kleine Unternehmen die neuen Möglichkeiten, sich einem breiten studentischen Publikum über die Geldschiene zu präsentieren. So meldete zum Beispiel jüngst die Ruhr-Universität Bochum, dass der Blackberry-Hersteller Research in Motion mit 60 000 Euro zwölf Masterstipendien an den Fakultäten für Maschinenbau, Elektro- und Informationstechnik finanziert. Gameforge, Anbieter von Online-Spielen und auf der Suche nach 200 neuen Mitarbeitern, spendiert guten Kandidaten die monatlichen Studiengebühren über 520 Euro für das dreijährige Informatik/Game-Development-Studium an der SRH Heidelberg – und Praktikumsplätze gleich mit.

Jüngstes Beispiel: die Jobbörse Absolventa (www.absolventa.de). Sie hat kürzlich das „1. demokratische Stipendium“ ausgelobt und animiert Studierende, sich bis Ende Februar mit ihren Finanzwünschen zu bewerben. Die Internetcommunity wird dann in den kommenden Wochen abstimmen, welche Projekte aus dem bis zu 25 000 Euro schweren Topf bezahlt werden. Gespeist wird der durch Sponsorenbeiträge. Zwischen 500 und 2000 Euro haben die bislang 13 Unternehmen gegeben – und als Gegenleistung Medienpräsenz auf der Webseite erhalten. In drei- bis 5,5-Zentimeter großen Kreisen – je nach Höhe der Spende – präsentiert der Sponsor sein Logo und verlinkt auf seine eigenen Karrierewebseiten. Und auf der Absolventa-„Blasen“-Seite kommen sie alle vorbei: die knapp 4 000 Studenten aus aller Welt, die bereits ihr Interesse am Stipendium angemeldet haben, ebenso wie die, die später für ihren Favoriten abstimmen werden. Ein Defilee der Zielgruppe.

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