Am Arbeitsplatz
Qualmer haben schlechte Karten

Gerichte schlagen sich zunehmend auf die Seite der Nichtraucher - selbst nachgewiesene Abhängigkeit zählt nicht.

wf DÜSSELDORF. Blauer Dunst erzeugt bisweilen hochrote Köpfe - gerade am Arbeitsplatz. Nichtraucher poltern über die Rücksichtslosigkeit der im Büro vor sich hinqualmenden Kollegen; Tabakfans fühlen sich als Opfer einer weltweiten Anti-Raucher-Kampagne. Der Arbeitgeber sitzt in der Zwickmühle: Egal, wie er den Konflikt entscheidet, es droht eine Klage der unterlegenen Seite. Die Justiz scheint dabei zunehmend von der Gesundheitswelle erfasst: Jüngere Urteile begünstigen unisono die Frischluftfraktion.

Ein Hamburger Hersteller von Computerchips führte per Betriebsvereinbarung auf dem gesamten Werksgelände ein absolutes Rauchverbot ein. Ein Mitarbeiter verlangte bis zur dritten Gerichtsinstanz die Einrichtung eines Raucherzimmers - vergeblich. Die Richter am Bundesarbeitsgericht erklärten das in allen Betriebsgebäuden ausnahmslos geltende Nikotinverbot für rechtens.

Ein "umfassender Nichtraucherschutz", so die Richter, sei nur dann zu gewährleisten, wenn sich das Verbot auf "sämtliche geschlossenen Räume" erstrecke; die Einschränkung der allgemeinen Handlungsfreiheit der Raucher sei durch den Schutz der Passivraucher gerechtfertigt. Einziges "Trostpflaster" für den Kläger: Der Zigarettenbann durfte sich nach Ansicht der Richter nicht auf die Freiflächen des Betriebsgeländes beziehen (Az.: 1 AZR 499/98).

Rauchverbote können aber nicht nur durch Betriebsvereinbarungen ausgesprochen werden. Bezweckt der Arbeitgeber einen Schutz der nicht rauchenden Mitarbeiter oder der Kunden, kann das Qualmen in Geschäftsräumen auch durch Ausübung des Direktionsrechts einseitig untersagen werden. Dies hat das Landesarbeitsgericht Frankfurt am Main bereits 1989 entschieden.

Das Urteil enthält auch interessante Ausführungen zu Fragen der Innenarchitektur: Sofern der Arbeitgeber entscheidet, ein Raucherzimmer einzurichten, muss er dafür nicht in "Schöner Wohnen" blättern. Solange die Schlichtheit des Raumes nicht an Schikane denken lässt, sind auch karge Kammern nicht zu beanstanden. O-Ton des Gerichts: Ein Recht auf eine "gemütlich eingerichtete Raucherecke" sei nicht zu erkennen (Az.: 9 Sa 1295/88).

Selbst eine medizinisch belegte Nikotinabhängigkeit einzelner Mitarbeiter kann gegen die Untersagung jeglichen Tabakkonsums am Arbeitsplatz nicht anstinken - zumindest dann, wenn die Firma parallel Mittel zur "Raucherentwöhnung" anbietet. Diese ernüchternde Erfahrung machte eine Frankfurter Stewardess. Obwohl sie ohne regelmäßige Zigarettenpause nachweislich unter Konzentrationsschwäche, "innerer Unruhe und Nervosität" litt, muss sie nach einem Urteil des Frankfurter Landgerichts die flächendeckende Einführung von Nichtraucherflügen durch ihren Arbeitgeber akzeptieren. Die "unternehmerische Gestaltungsfreiheit", so die Richter, habe in dem Fall Vorrang vor einer ungestörten Fortsetzung der bisherigen Lebensführung (Az.: 2 Sa 1000/99).

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