Am besten verdienen Anwälte in Frankfurt
Seltene Vögel mit festen Vorstellungen

Eine „Juve“-Studie zeigt: Die Gehälter der Berufsanfänger in Top-Kanzleien steigen langsamer.

Juristen gibt es genug. Doch trotzdem haben die großen internationalen Wirtschaftskanzleien Probleme bei der Suche nach Nachwuchs. Sie müssen die Allerbesten unter den Absolventen ködern, um den hohen Standard ihrer Sozietät langfristig zu sichern. Zwar hat das Gerangel um junge Juristen mit Prädikatsexamen in den vergangenen zwei Jahren an Härte verloren, weil Banken und Unternehmensberater den Kanzleien in der Konjunkturkrise weniger Konkurrenz um die besten Köpfe machen. Die Großkanzleien kämpfen jedoch mit der Unlust vieler begehrter Absolventen, in eine der Anwaltsfabriken einzusteigen, weiß Aled Griffiths, Chef des Branchenfachblatts „Juve“. „Nicht alle Top-Absolventen wollen in Großkanzleien. Viele gehen zu Unternehmen, mittleren Kanzleien oder in den Staatsdienst.“

Markus Hartung, Managing Partner bei Linklaters Oppenhoff & Rädler, bestätigt die Schwierigkeiten bei der Jagd auf hochbegabte junge Juristen. „Das sind seltene Vögel, die einem nicht gerade die Bude einrennen.“ Zudem haben die Bewerber eine genaue Vorstellung von ihrer zukünftigen Arbeit. „Viele wollen nur in einem bestimmten Team arbeiten, das ein besonders renommierter Anwalt leitet“, berichtet Hartung. Das sind zum Beispiel die M&A-Profis Michael Hoffmann-Becking und Maximilian Schiessl bei Hengeler Mueller in Düsseldorf oder Arbeitsrechtler Jobst-Hubertus Bauer bei Gleiss in Stuttgart. Der Grund: Wenn die steile Karriere in der Top-Kanzlei scheitert, können die Juristen wenigstens darauf verweisen, ihr Handwerk bei einer Koryphäe gelernt zu haben.

In ihrer Not gehen viele Wirtschaftskanzleien jetzt auch eine Stufe tiefer und stellen Juristen ein, die kein Prädikatsexamen haben, berichtet Brancheninsider Griffiths. „Die Note ist als Auswahlkriterium zwar immer noch sehr wichtig, entscheidet aber nicht mehr allein.“ Zusatzqualifikationen wie Auslandserfahrung, eine Promotion oder ein Master of Laws (LL.M) seien inzwischen genau so wichtig (Fachjargon: „Volle Kriegsbemalung“). Immer größeren Wert legen die Kanzleien heute auch auf Teamfähigkeit und sicheres Auftreten.

Trotz der Nachwuchssorgen der Branche steigen die Gehälter für Berufseinsteiger nur noch langsam. „Von Stagnation kann zwar keine Rede sein, aber das Einstiegssalär erhöht sich seit zwei Jahren nicht mehr so schnell wie früher“, beobachtet Griffiths. Junganwälte können heute am Anfang ihrer Karriere bis zu 87 000 Euro Fixgehalt verdienen. Inklusive leistungsbezogener Boni erreichen viele dieser 30-Jährigen ein Jahresgehalt über 100 000 Euro. Vor zwei Jahren hatten die großen Kanzleien in der Spitze noch rund 5 000 Euro weniger bezahlt.

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