An der Junior Management School in Dormagen bereiten sich Schüler auf das Berufsleben vor
Wenn Gymnasiasten freiwillig für die Karriere pauken

Der Samstag gehört in Dormagen der Schule. Alle 14 Tage stehen am Norbert-Gymnasium Knechtsteden Mathematik, Deutsch und Englisch auf dem Stundenplan – Pflicht für sämtliche Schüler. Für 112 Jungen und Mädchen ist das jedoch nicht genug. An den restlichen Samstagen sitzen sie freiwillig in der Klasse und besuchen die Junior Management School (JMS). Ein Programm, das nicht nur das Wirtschaftswissen, sondern auch den Lebenslauf aufpolieren soll.

HB DÜSSELDORF. In der JMS lernen die Schüler zwei Jahre lang neben Tricks für die Bewerbung auch Grundlagen über Projektmanagement und neue Technologien. Denn für die Jugendlichen geht es vor allem darum, einen ersten Einblick in die Wirtschaft zu bekommen. Und das ist mitunter auch nötig. So geben viele von ihnen als Berufswunsch „Manager“ an, obwohl sie nur erahnen können, was dieser Beruf wirklich bedeutet.

In der Einführungsstunde des neuen Jahrgangs an einem September-Samstag werden mit dem Wort Manager daher vor allem Macht, Geld und Stress verbunden. „Ein Manager muss delegieren und organisieren“, sagt Andreas Arndt an seinem ersten Tag an der JMS. „Dafür verdient er aber auch viel Geld“, ergänzt der 17-Jährige. Seine Freunde, die das erste „Schuljahr“ bereits absolviert haben, sehen das schon anders. „Ich habe jetzt viel mehr Respekt vor dem Job. Denn immerhin trägt der Manager die Verantwortung für das Unternehmen, die Belegschaft und die Aktionäre“, sagt Dominik Wöhr.

Doch nicht nur für das Verständnis des Berufs ist die Zusatzausbildung hilfreich; auch für die eigene Karriere bietet die JMS Vorteile. Nach bestandener Zwischenprüfung und dem Abschlussvortrag bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) halten die Absolventen ein Zertifikat in der Hand. „Bei vielen Unternehmen ist das ein echter Türöffner“, sagt Wöhr. Der 20-Jährige hat sich gerade selbst um eine Stelle bemüht und „wurde bei jedem Gespräch auf die Junior Management School angesprochen“.

Die JMS wurde vor einem Jahr gegründet und steht auch für Schüler anderer Schulen offen. Die Dozenten stammen von der Fachhochschule für Wirtschaft in Bergisch Gladbach und aus dem Elternkreis. „Ohne Eigeninitiative ist ein solches Programm gar nicht zu finanzieren“, sagt Klaus Scholz, Unternehmensberater und Mitinitiator der JMS. Bereits für den ersten Kurs hatten sich im vergangenen Jahr 167 Bewerber aus Neuss, Köln und Düsseldorf um die 56 freien Plätze bemüht. Ausgewählt werden die zukünftigen „Jung-Studenten“ anhand des Notendurchschnitts und mit Hilfe eines Eignungstests. „Wir wollen nur Schüler, die die zusätzliche Belastung neben dem Abitur verkraften können“, begründet Scholz. Dafür sei die Abbrecherquote minimal. Allerdings ist die Zusatzausbildung nicht kostenlos. Bisher müssen die Eltern 40 Euro im Monat zahlen. Im kommenden Jahr könnte die Gebühr leicht steigen, sagt Scholz. Auch andere Bildungseinrichtungen zeigen zunehmend Interesse. „Wir hatten schon Kontakt zu mehreren Schulen“, sagt Scholz. „Allen können wir leider nicht helfen.“ Daher steht zunächst nur die weitere Ausbreitung in Nordrhein-Westfalen auf dem Programm.

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