Andrang ist überall groß
Und was machen Sie beruflich?

Visitenkartenpartys zelebrieren die Jagd nach Kontakten – mit neuen Kunden, für mehr Umsatz oder einen neuen Job.

Die zierliche junge Frau ist früh dran. In ihren kniehohen braunen Stiefeln läuft sie im Zickzack durch den großen Raum, immer hin und her zwischen der breiten Eingangstür und den Tischen weiter hinten. Ihr Blick streift im Vorbeigehen kurz die Gesichter der fünf Männer und deren Namensschilder. Unterhalten mag sie sich hier noch mit niemandem. Genau wie die anderen, die sich an einem Glas Wasser oder einem Blatt Papier festhalten. Noch wagt sich keiner aus der Deckung.

Die Jackentasche der jungen Frau ist voller Visitenkarten. „Martina Skolgorova“ (Name von der Redaktion geändert) steht darauf, „Büro für deutsch-russische interkulturelle Kommunikation“. Diese Karte soll hier heute Abend jeder bekommen, der ein potenzieller Kunde sein könnte. Etwa der Manager eines deutschen Unternehmens, das demnächst nach Russland expandieren will. Martina Skolgorova ist auf Kunden-Akquise, nur deshalb ist sie heute Abend hierher zur Visitenkartenparty ins Hotel Intercontinental in der Kölner Innenstadt gekommen. Doch im Moment ist ihr die Sache noch nicht ganz geheuer.

Lange muss sie nicht warten. Um kurz vor sieben füllt sich der Saal. Auch die Neuankömmlinge schauen sich erst einmal schweigend um, lesen angestrengt die Profile der Teilnehmer, die nach Berufsgruppen sortiert an großen Stellwänden hängen. Doch dann löst sich die gedrückte Stimmung langsam, Gemurmel füllt den Raum, und auch Martina Skolgorova unterhält sich angeregt mit einem grau melierten Mann Ende fünfzig.

An der Tür schüttelt Yvonne Laage die Hände der letzten Verspäteten, die durch die Hotelhalle gehetzt kommen. Laage ist die Veranstalterin der Visitenkartenparty, die zwei Stunden dauern soll. Dabei hat die Veranstaltung mit einer Party genau genommen nichts gemein: Keine Musik, kein Tanz, kein Essen. Doch das Prinzip ähnelt dem einer Single-Party. Wer hierher kommt, will neue Kontakte. Das Ziel ist dabei aber keine neue Liebe, sondern ein Umsatzplus, ein neuer Kunde oder ein neuer Job. „Alle wollen sich selbst oder ihr Produkt verkaufen“, bestätigt Laage. Allein heute Abend steigen 130 Leute, die Geschäftskontakte suchen, in den Ring.

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