Anti-Stress-Serie
„Permanente Überlastung“

Bruce McEwen ist Professor an der New Yorker Rockefeller Universität und einer der führenden Stressforscher weltweit. Im Interview spricht er über den alltäglichen Technikterror und erfolgreiche Strategien zur Bekämpfung von ungesundem Stress in den Unternehmen.
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Wirtschaftwoche: Herr Professor McEwen, wie bewältigen Sie Ihren Stress?

Bruce McEwen: Ich habe einen Hund, der regelmäßig ausgeführt werden will. Der hält mich auf Trab mit seiner Begeisterung für Eichhörnchen. Außerdem wohne ich nicht weit vom Institut entfernt, das erspart mir einen der größten Stressfaktoren, mit dem die Leute heute zu kämpfen haben: das Pendeln zum Arbeitsplatz und wieder nach Hause.

Und in Ihrer Freizeit?

Ich mache Yoga. An den Wochenenden gehe ich schwimmen, und mehrmals im Monat spiele ich Tennis. Wir haben ein Haus in New Jersey, dort sind wir meist am Wochenende und gehen viel spazieren. Meine Frau - sie ist auch Wissenschaftlerin - und ich haben uns dort einem Club angeschlossen, der sich mit aller Art von Holzarbeiten beschäftigt. Im Sommer geht es für einen Monat in unser Cottage in Maine, wo wir mit dem Kajak fahren. Und ich male.

In Ihrer Position müssen Sie sicher ständig erreichbar bleiben. Dennoch sagen Sie, dass uns Blackberry und Mobiltelefon mittlerweile an einen Punkt gebracht haben, der unerträglich ist.

Wir können es doch tagtäglich beobachten: Wer alle fünf Minuten auf seinen Blackberry schaut, hat möglicherweise ein Problem. Wir nennen das Obsessive Compulsive Disorder - eine Zwangsstörung. Man braucht viel Selbstkontrolle und Selbstbewusstsein, um mit diesen Geräten vernünftig umzugehen.

Was meinen Sie damit?

Dank dieser elektrischen Helfer schlagen sich viele Leute heute mit lächerlichen Sachen herum, die sich ohne diese Geräte womöglich von alleine erledigt hätten. Man braucht große mentale Stärke, um sich dem zu entziehen. Ich selbst nutze einen Trio, der ist die meiste Zeit in meiner Manteltasche. Im Büro beantworte ich meine E-Mails am Computer, den Trio nutze ich nur, wenn ich unterwegs bin - um auf dem Laufenden zu bleiben.

Wie wirkt sich diese Erreichbarkeitsfalle auf die Unternehmen aus?

Wenn die ständige Präsenz in ungesunden Stress umschlägt, beeinflusst das die Leistungskraft der Mitarbeiter und damit die gesamte Produktivität. Die Unternehmen müssten eigentlich ein Interesse daran haben, dass sich ihre Mitarbeiter wohl fühlen und ihre persönlichen Freiräume behalten. Fehlen diese, riskieren die Unternehmen, dass bald die Kosten steigen, weil die Mitarbeiter krank werden und zu Hause bleiben. Nur wenige Unternehmen haben den Zusammenhang bisher begriffen.

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