Anti-Stress-Serie
Positive Gedanken

Ab wann ist Stress ungesund? Wie merkt man, dass man einen Burn-out hat und was kann man dagegen tun? Wie kann ich mit möglichst wenig Zeitaufwand möglichst viel Stress reduzieren? Psychologen und Mediziner beantworten die wichtigsten Fragen.
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Ab wann ist Stress ungesund? Woran merkt man, dass man einem Maß an Stress ausgesetzt ist, das potenziell ungesund ist? Michael Larsen, Hamburg

Götz Mundle, Chefarzt der Oberbergklinik Schwarzwald: Grundsätzlich ist Stress eine positive Reaktion des Körpers auf unterschiedliche Arten von Anforderungen und führt zu einer erhöhten Leistungsbereit- schaft. Hält dieser Zustand jedoch über einen langen Zeitraum an, so steigt das Stressniveau kontinuierlich, gleichzeitig gehen die Wahrnehmung für die eigene Anspannung und die Fähigkeit zur Entspannung verloren. Ab hier wird Stress ungesund. Die Faktoren, die dazu führen, sind individuell verschieden. Nicht immer sind es die vordergründigen, wie berufliche Überforderungen oder Doppelbelastungen durch Familie und Beruf. Auch der eigene Anspruch, immer perfekt sein zu müssen, jede Situation meistern zu können und keine Hilfe zu benötigen, sind unbewusste Motive.

Erste Anzeichen für ungesunden Stress sind diffuse körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Konzentrations- oder Gedächtnisstörungen, Ein- und Durchschlafschwierigkeiten, Magenbeschwerden oder Appetitlosigkeit. Auch psychische Veränderungen wie das Gefühl, ausgebrannt, lustlos oder traurig zu sein, können Hinweise auf ungesunden Stress sein. Gelingt es nicht, die Symptome rechtzeitig wahrzunehmen und als Konsequenz seinen Stress zu reduzieren, können sich aus diesen diffusen Beschwerden ernsthafte körperliche und psychische Erkrankungen entwickeln. Werden zudem regelmäßig Alkohol oder Medikamente zur Entspannung eingesetzt, kann sich daraus leicht eine Sucht entwickeln.

Wie merkt man, dass man einen Burn-out hat, und was kann man dagegen tun? Andrea Wördehoff, Sinzig-Westum

Otto Benkert, Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Autor des Buchs "Stressdepression": An einem Burn-out-Syndrom leiden heißt, ausgebrannt sein. Es ist heute auch ein Synonym für lang anhaltende Belastungen - im Privaten oder im Beruf. Unternimmt man nichts gegen diesen Dauerstress oder sucht keine professionelle Hilfe, sind die Risiken sehr hoch: Es können sich körperliche Folgekrankheiten, insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, entwickeln sowie eine schwere Depression. Die typischen Symptome sind:

Man ist körperlich erschöpft, ständig müde, fühlt sich schwach; vielfältige körperliche Beschwerden, die sogenannten somatoformen Störungen, kommen hinzu: Kopfschmerzen etwa oder Verdauungsstörungen.

- Emotional fühlt man sich leer und wird reizbar, die sprichwörtliche "Fliege an der Wand" macht einen aggressiv.

Die geistige Erschöpfung geht mit Leistungseinbußen, Kreativitätsmangel und dem Gefühl der Sinnlosigkeit einher.

- Schließlich zeigt sich die Erschöpfung im Rückzug aus dem sozialen Netz. Man hat das Empfinden, von jedem ausgesaugt zu werden. Der Stress im Beruf strahlt in die Familie und Partnerschaft aus.

Der erste Schritt dagegen ist die richtige Diagnose: Ein Spezialist (Psychiater, Psychologe) sollte das Burn-out-Syndrom bestätigen und von einer Depression abgrenzen (denn die wird ganz anders behandelt). Im zweiten Schritt müssen die Ursachen für den Dauerstress erkannt werden, etwa durch einen Stresstest. Erst im dritten Schritt beginnt die Therapie. Die Kernfragen sind: Wie lege ich den Dauerstress ab? Kann ich die Probleme im Team lösen, oder liegt es eher an mir selbst? Wie gewinne ich mehr Gelassenheit? Wie erkenne ich meine Ressourcen? Und: Kann ich die Probleme selbst lösen, oder brauche ich professionelle Hilfe? Oft kann man in mehreren Therapie-Sitzungen schon gute Erfolge erreichen.

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