AOP halten Manager nicht mehr bei Laune
Konzerne prüfen neue Anreizprogramme für Manager

Die bei Anteilseignern umstrittenen Aktienoptionsprogramme (AOP) für leitende Manager börsennotierter Gesellschaften werden inzwischen in immer mehr Firmen auf den Prüfstand gestellt. Nach DaimlerChrysler und Siemens überprüft auch der Softwarehersteller SAP sein aktienbezogenes Bonusprogramm. Ziel seien globale Vergütungsstrukturen, sagte ein SAP-Sprecher am Donnerstag in Walldorf. Ein „Compensation Committee“ analysiere derzeit die gesamte Entlohnungsstruktur der 29.000 SAP-Mitarbeiter weltweit.

Reuters FRANKFURT. Auch der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft teilte jüngst mit, sein Aktienoptionsprogramm ersetzen zu wollen. Bei einer Option erhält der Inhaber das Recht, eine Aktie zu einem bestimmten Zeitpunkt für einen vorher festgelegten Preis zu kaufen. In der Phase des Börsen-Booms waren derartige Vergütungskomponenten für Führungskräfte als Zusatzbonus in Mode gekommen. Doch seit dem Zusammenbruch der Märkte sind die Aussichten auf ein wirklich lohnendes Geschäft mit den AOP'S und damit der Anreiz solcher Programme stark geschrumpft. Vor allem in den USA - dem Vorreiter in Sache Aktienoptionsplänen - müssen sich die Firmen neue Anreizmodelle überlegen, um ihre Manager bei Laune zu halten.

Außerdem waren die Aktienoptionsprogramme für leitende Manager im Zuge der internationalen Bilanzskandale und spektakulären Firmenpleiten bei Anlegerschützern und den Verfechtern einer transparenten Unternehmenspolitik (“Corporate Governance“) in die Kritik geraten: „Selbstbedienungsmentalität“ lautete der Vorwurf an die Konzernleitungen. Diskutiert wird auch, ob solche Optionpläne bilanziert werden müssen.

SAP überprüft Vergütungsprogramme

SAP will bei der Überprüfung der Vergütungsstruktur auch die steuerlichen Auswirkungen der Aktienoptionspläne ins Kalkül ziehen. Bei dem Softwarekonzern gibt es mehrere aktienbezogene Programme zur variablen Vergütung. Bei dem seit Anfang dieses Jahres laufenden Stock Options Programm (SOP) haben etwa 2000 Führungskräfte ein Recht auf Aktienoptionen, für deren Ausübung der SAP-Aktienkurs um mindestens 10 Prozent steigen muss. Im Gegensatz zu den bisherigen Angeboten muss das SOP nach den geltenden internationalen Bilanzierungsregeln nicht als Personalaufwand gebucht werden.

Für alle übrigen Mitarbeiter hat SAP das so genannte „STAR“-Programm aufgelegt, in dessen Rahmen die Beschäftigten Boni erhalten, die sich am Aktienkurs der Firma orientieren. Würde SAP alle Vergütungsprogramme auf Aktienbasis nach Marktwerten buchen, wäre das Konzernergebnis 2002 um rund 132 Mill. Euro niedriger ausgefallen.

Auch die Daimler-Chrysler AG überprüft nach jüngsten Angaben ihr Aktienoptionsprogramm. So werde als Alternative über so genannte Phantom-Aktien nachgedacht, die sich an einem fiktiven Aktienkorb orientieren. Allerdings sei das Ergebnis der Überprüfung noch offen, hieß es. „Das kann auch heißen, dass wir das Programm am Ende beibehalten oder nur modifizieren“, hatte ein Sprecher gesagt. Siemens überlegt ebenfalls seit kurzem, seine rund 5 500 Führungskräfte mit Aktien statt mit Aktienoptionen zu belohnen. Neue Regeln zu Corporate Governance und hohe Verwaltungskosten machten das Motivationsinstrument Aktienoption zu komplex und teuer, hatte es geheißen.

Unterschiedliche Regelungen in deutschen Konzernen

Die deutschen Unternehmen halten es mit ihren Anreiz- beziehungsweise Aktienoptionsprogrammen unterschiedlich, wobei Zusatzvergütungen für die Manager auf der Basis der eigenen Aktienkursentwicklung im Vergleich zur Konkurrenz sehr beliebt sind. Die Lufthansa zum Beispiel bietet ihr so genanntes Performance-Programm für Führungskräfte an. Dabei kaufen die Manager auf eigene Rechnung Aktien der Fluglinie, die sie für mindestens drei Jahre halten müssen. „Das Programm setzt eine Investition in Lufthansa-Aktien auf eigene Kasse voraus“, erläuterte eine Firmen-Sprecherin. Entwickelt sich der Kurs besser als der durchschnittliche Wert der europäischen Konkurrenz, so erhalten die Teilnehmer des Programms eine finanzielle Vergütung auf der Basis dieser Outperformance.

Ähnlich hält es die Deutsche Börse AG. Die leitenden Angestellten erhalten „Phantom-Options“ auf der Basis der Kursentwicklung des eigenen Unternehmens in Relation zur Performance des Branchenindex Stoxx-Technologies, erklärte ein Sprecher. Auch hier wird nicht die absolute Entwicklung des Aktienkurses, sondern sein Abschneiden im Vergleich zur Konkurrenz bewertet. „Auf Grund der Konstruktion, die wir gewählt haben, brauchen wir nichts anpassen“, hieß es.

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