Arbeiten im Ausland
Expat und hopp

Eine Handelsblatt-Studie belegt: Wer zu lange im Ausland bleibt, riskiert seine Karriere. Denn nur eine Minderheit jener Firmen, die Mitarbeiter ins Ausland schicken, kümmert sich systematisch ums Wiedereingliedern ihrer Expats.

DÜSSELDORF. Seine Karriere als Expat hatte sich der Ingenieur ganz anders vorgestellt. „Drei Jahre sollte ich in Osteuropa ein neues Werk aufbauen. Mein ganzes Herzblut habe ich da reingesteckt.“ Nach zwei Jahren platzte das Projekt – ohne das Verschulden von Michael Neuber*. Samt Familie wurde er abgezogen. Doch im Stammhaus des Dax-Konzerns hatte niemand mit seiner Rückkehr gerechnet. „Auf die Entsendung hat mich meine Firma mit diversen kostspieligen Trainings vorbereitet. Aber für Rückkehrer gibt es keinerlei Plan zum Wiedereingliedern“, ärgert sich der 41-Jährige.

Die Folge: Der hoch bezahlte promovierte Ingenieur durfte ein geschlagenes halbes Jahr das Layout der firmeneigenen Hauspostille aufpeppen. „Ich war total frustriert und fühlte mich aufs Abstellgleis geschoben. Zumal mir ein Leitungsposten in Aussicht gestellt worden war. Wär ich nicht so gut fürs Nichtstun bezahlt worden - ich hätte sofort gekündigt.“

Michael Neuber ist kein Einzelfall. Die meisten deutschen Unternehmen überlassen ihre Expatriates – auf Zeit ins Ausland entsandte Mitarbeiter – nach der Rückkehr mehr oder minder sich selbst. „Systematische Programme, die die Reintegration regeln und das Wissen der Expats nutzen, sind die Ausnahme“, bestätigt Kirsten Nazarkiewicz, Deutschland-Chefin des europäischen Expatriate-Dienstleisters Net Expat.

Konkret: Nur 28 Prozent der Firmen in Deutschland, die Mitarbeiter ins Ausland schicken, kümmern sich systematisch ums Wiedereingliedern ihrer Expats. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage des Handelsblatts unter 900 großen und mittelständischen Unternehmen. 125 Firmen berichteten über ihre Entsendepraktiken. Zusammen haben sie fast 11 000 Mitarbeiter entsandt.

Die Folge: „Die Rückkehr der Expats ist immer häufiger ein Problem“, berichtet Barbara Bittmann, auf Entsendungen spezialisierte Arbeitsrechtlerin bei CMS Hasche Sigle in Düsseldorf. Hinzu kommt: „Viele Firmen haben Stellen abgebaut. So gibt’s für Auslandsheimkehrer oft gar keine passende Position“, weiß Alain Verstandig, Chef von Net Expat mit Hauptsitz in Brüssel.

Diese Erfahrung musste auch Jens Lau* machen. Nach drei erfolgreichen Jahren in China bot ihm der Dax-Konzern nur inakzeptable Posten an. „Um meine Rückkehr musste ich regelrecht kämpfen“, so der 37-Jährige. Letztlich blieb er fast zwei Jahre länger – bis er eine adäquate Stelle bekam.

„Zwei bis drei Jahre im Ausland sind oft karrierefördernd, aber nichts Besonderes mehr – und somit kein Freifahrschein für die Karriere“, betont Bittmann. Eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young belegt dies. „Für 36 Prozent der Expats brachte der Auslandsaufenthalt keinen Aufstieg“, berichtet Partner Mark Smith. „Viele der Frustrierten kündigen. Und die Unternehmen verlieren Wissen und hohe Investitionen.“ Einen Verlust von Know-how, den sich der Autokonzern Volkswagen mit 1 500 Expats weltweit nicht leisten will. Eine systematische Betreuung der Expats ein halbes Jahr vor der Abreise ist daher Standard. „Rückkehrer erhalten einen Posten, auf dem sie ihr teuer erworbenes Wissen auch anwenden können“, heißt es bei VW.

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