Arbeitgeber handelte voreilig
Keine fristlose Entlassung bei Beleidigung von Kollegen

Die Beleidigung von Vorgesetzten und Kollegen rechtfertigt nicht ohne weiteres die fristlose Kündigung. Das entschied das Landesarbeitsgericht (LAG) Rheinland-Pfalz in Mainz in einem am Freitag bekannt gewordenen Urteil. Maßgeblich seien vielmehr die Gesamtumstände.

HB MAINZ. So könne sich bei einer heftigen Diskussion die gegenseitige Aggression derart steigern, dass auch unüberlegte Äußerungen fielen. In diesen Fällen wäre eine fristlose Kündigung unverhältnismäßig (Urteil vom 28. Februar 2007 - 9 Sa 908/06).

Das Gericht gab mit seinem Urteil der Kündigungsschutzklage eines Arbeitnehmers statt. Der Kläger ist als Maschinenführer bei einem Baugeräteunternehmen beschäftigt. Während einer heftigen verbalen Auseinandersetzung mit einem Kollegen beleidigte er sowohl diesen als auch den abwesenden Geschäftsführer mit sexuell anzüglichen Bemerkungen. Der Arbeitgeber entließ den Kläger daraufhin fristlos.

Das LAG befand, der Arbeitgeber habe voreilig gehandelt. Die verbale Entgleisung des Klägers beruhe auf dem nicht minder aggressiven Verhalten des Kollegen. Zudem müsse berücksichtigt werden, dass der Kläger als gewerblicher Arbeitnehmer in einem Bereich tätig sei, in dem eine derbe Ausdrucksweise nicht unüblich sei. Dies rechtfertige zwar keine Beleidigungen, erkläre aber, warum es hier schneller zu "Grenzüberschreitungen" komme.

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