Arbeitgeberpräsident fordert bessere Ausbildung der Lehrer
Trockener Schulunterricht ist schuld am Ingenieurmangel

Die deutschen Arbeitgeber schlagen Alarm: Mittelfristig fehlten in Deutschland trotz Wachstumsflaute rund 20 000 Ingenieure, sagte BDA-Präsident Dieter Hundt. Verantwortlich für den fehlenden Nachwuchs sei vor allem der noch immer viel zu trockene Unterricht in den Schulen.

HB/bag BERLIN. Mangelnde Anschauungsmöglichkeiten und Praxisnähe in Mathematik, Physik, Biologie und Chemie schreckten zu viele Schüler von einer technischen oder naturwissenschaftlichen Ausbildung ab, klagte er bei einer BDA-Veranstaltung. Nötig sei vor allem eine bessere Ausbildung der Lehrer.

Interesse an den "Mint"-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) sollen zudem die vielfältigen Kooperationen von Unternehmen und Schulen sorgen, die in den vergangenen Jahren stark ausgebaut wurden. Dafür müssten die Kultusminister jedoch ganz praktische Hindernisse aus dem Weg räumen, forderte Hundt. Antiquierte Arbeitszeitregeln der Lehrer, Versicherungsfragen bei Betriebsbesuchen oder schlicht fehlende Zuschüsse für die Fahrtkosten erschwerten den Kontakt zu den Unternehmen in der Wirtschaft.

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die brandenburgische Kultusministerin Johanna Wanka (CDU), räumte ein, dass im Unterricht oft der "Bezug zur Lebenswirklichkeit" fehle. Die internationale Schüler-Studie Pisa II habe jedoch gezeigt, dass gegenüber Pisa I zumindest in Mathematik deutliche Fortschritte erzielt worden seien. Weitere Verbesserungen sollen etwa die neuen bundesweiten Bildungsstandards in den Mint-Fächern bringen, sagte Wanka.

Sie verweis zugleich auf die zuletzt deutlich gestiegenen Studentenzahlen, die sich nach Angaben Hundts jedoch noch nicht auf die Absolventenzahlen ausgewirkt haben. Nachdem die Zahl der Ingenieurstudenten in den 90ern von fast 400 000 auf 287 000 gefallen war, stieg sie seit dem Jahr 2000 wieder auf 318 000. Die Absolventenzahlen stiegen jedoch erstmals 2003 wieder. Ähnlich ist das Bild in Naturwissenschaften.

Relativ gesehen liege Deutschland mit einem Anteil von einem Drittel der Studenten in den Mint-Fächern international hinter Korea auf Platz zwei, so Wanka. Das helfe jedoch wenig, kontert die BDA, da hier zu Lande nur 19 Prozent eines Jahrgangs ein Studium absolvieren. Im OECD-Mittel sind es 32 Prozent, in Skandinavien bis zu 45 Prozent.

Wanka rief ihrerseits die Wirtschaft auf, mehr für die Mangelberufe zu werben. Der jahrelange Rückgang der Studentenzahlen sei die logische Folge des zeitweiligen Überangebots gewesen. Dennoch habe es in den 90ern etwa Siemens in Dresden geschafft, gegen den Trend mehr junge Leute für eine Ingenieurstudium zu begeistern.

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