Arbeitslosigkeit unter Juristen dramatisch gestiegen
Schlichten statt richten

Die Juristenausbildung ging Jahrzehnte lang an der Sache vorbei: Erst langsam denken Unis und Gerichte um.

Die lang ersehnte Reform der Juristenausbildung sollte das Jura-Studium an deutschen Universitäten fit für die Zukunft macht. Am 1. Juli trat das Reformgesetz in Kraft und versprach mehr Praxis und Realitätsnähe in der Ausbildung. Die Beratung von Mandanten soll in Zukunft stärker im Vordergrund stehen. Fremdsprachen erhalten neues Gewicht, genauso Verhandlungsmanagement, Gesprächsführung und Streitschlichtung. Insgesamt soll das Jura-Studium jetzt stärker auf den Anwaltsberuf vorbereiten statt nur auf das Richteramt. Schließlich arbeiten rund 80 Prozent der Absolventen als Advokaten.

Doch drei Monate nach Einführung der Reform sind die Kritiker nicht verstummt. „Ein optimales Ergebnis ist die Reform sicher nicht, wir müssen erst einmal abwarten, wie die Universitäten sie umsetzen“, klagt Frank Johnigk, Ausbildungsexperte der Bundesrechtsanwaltskammer (Brak) in Berlin. Die Mängelliste: Die jetzt neunmonatige Referendariatsstation in einer Anwaltskanzlei ist immer noch zu kurz, die Juristenausbildung dauert insgesamt zu lange, und nach wie vor setzen die Universitäten auf die Ausbildung von Einheitsjuristen. Für den Anwaltsberuf sind die Absolventen damit denkbar schlecht gerüstet.

Junge Juristen setzt die praxisferne Ausbildung an den Universitäten und im Referendariat zunehmend unter Zugzwang. Wer nicht mit einem Prädikatsexamen abschließt, hat ohne besondere Qualifikationen oft keine Aussichten auf einen Job. Wollen Berufsanfänger nicht als Einzelanwalt mit einer leidlich profitablen Kanzlei jeden Cent dreimal umdrehen, müssen sie rechtzeitig vorsorgen. „Um sich bessere Chancen auf dem schwierigen Arbeitsmarkt zu sichern, bemühen sich immer mehr junge Juristen um Zusatzqualifikationen“, urteilt Johnigk.

Möglichkeiten dazu gibt es viele. Sei es das Büffeln einer exotischen Fremdsprache, etwa im kombinierten Sinologie- und Jurastudium an der Universität Passau. Sei es die gerade angelaufene Anwaltausbildung des Deutschen Anwaltvereins, die Referendaren in begleitenden Kursen wichtiges Zusatzwissen vermitteln will. Noch einen Schritt weiter gehen Studenten, die sich von vornherein gegen ein klassisches Jura-Studium entscheiden.

Eine Alternative bietet ab dem Wintersemester etwa die Fernuniversität Hagen mit dem neuen Studiengang zum Bachelor of Laws. Hier bilden Bürgerliches und Öffentliches Recht den Schwerpunkt, zu den Inhalten gehören Wirtschaftswissenschaften und ausländische Rechtsordnungen.

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