Arbeitsrecht
Bis an die Schmerzgrenze

Arbeitgeber müssen erkrankten Mitarbeitern leidensgerechte Beschäftigungen anbieten. Es gilt der Grundsatz: Prävention und Rehabilitation vor Entlassung. Das schafft immer häufiger Probleme.

Die Anhebung der Rentenaltersgrenze auf 67 Jahre, das wahrscheinliche Auslaufen der Altersteilzeit, die gesetzliche Eindämmung der Vorruhestandsmodelle sowie der unausweichliche demografische Wandel konfrontiert Arbeitgeber mit der Frage nach leidensgerechten Beschäftigungen.

Sie hat komplexe rechtliche Hintergründe, mit denen sich Personalfachleute frühzeitig auseinandersetzen sollten. In der Regel handelt es sich um Fälle, in denen Arbeitnehmer - häufig nach längerer Krankheit - hausärztliche Atteste vorlegen, in denen entweder die Verschlimmerung einer bestehenden Erkrankung für den Fall der Fortsetzung der bisherigen Tätigkeit prognostiziert wird oder aus medizinischer Sicht gewisse Belastbarkeitsgrenzen des Arbeitnehmers aufgezeigt werden.

Typisches Beispiel: Ein gewerblicher Mitarbeiter, legt ein hausärztliches Attest vor, wonach er wegen einer chronisch rezidivierenden Erkrankung der Wirbelsäule keine schweren Arbeiten verrichten sollte, insbesondere sollte das Heben und Tragen von Gewichten über zehn Kilogramm vermieden werden.

Längst geht es aber nicht mehr nur um körperlichen Verschleiß im gewerblichen Bereich. Vielmehr stehen die psychischen Erkrankungen inzwischen an vierter Stelle der Arbeitsunfähigkeitsursachen - Tendenz steigend.

Regelmäßig stellen solche Atteste nicht etwa fest, dass der Arbeitnehmer nicht mehr in der Lage wäre, seine bisherige Tätigkeit im vollen Umfang weiter auszuüben. Stattdessen steht darin, dass ein anderer Arbeitsplatz seiner Gesundheit förderlicher, für ihn angenehmer wäre und seine Fehlzeiten verringerte.

Ein solches Attest kann also nicht ohne weiteres dem "gelben Schein" gleichgesetzt werden (Bundesarbeitsgericht, BAG, vom 17. Februar 1998 - 9 AZR 130/97, BB 1998, 2478).

Ziel ist es vielmehr, die Zuweisung einer leichteren Arbeit zu erreichen. Arbeitsunfähigkeit im arbeitsrechtlichen Sinne liegt nur vor, wenn ein Arbeitnehmer infolge einer Krankheit nicht oder nur mit der Gefahr, seinen gesundheitlichen Zustand in absehbar naher Zeit zu verschlimmern, fähig ist, seiner bisherigen Arbeitstätigkeit nachzugehen (BAG vom 9. Januar 1985 - 5 AZR 415/82, DB 1985, 977).

Entscheidend ist dabei allein die objektiv medizinische Lage; die subjektive Einschätzung des Arbeitnehmersoder Arbeitgebers ist dagegen irrelevant (BAG vom 29. Oktober 1998 - 2 AZR 666/97, DB 1999, 805; BAG vom 17.Juni 1999 - 2 AZR 639/98, DB 1999, 1399).

Seite 1:

Bis an die Schmerzgrenze

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%