Arbeitsrecht
Haftungsrisiken lähmen Manager

Verschärfte Ad-hoc-Publizitätspflichten, komplexe Unternehmensübernahmen, riskante Geschäfte in fremden Rechtsordnungen - das Risiko für deutsche Manager, Fehler zu machen und dafür persönlich in Regress genommen zu werden, steigt wie die Pegel deutscher Flüsse zu den alljährlichen Hochwasserzeiten.

GARMISCH. "Tendenziell nimmt die Managerhaftung in Deutschland zu. Zukünftig ist damit zu rechnen, dass Haftungsfragen zunehmen, auch was das öffentliche Bekanntwerden solcher Vorgänge angeht", stellt Rechtsanwalt Manfred Confurius, Partner der Hamburger Kanzlei Jacobsen & Confurius, fest. Auf diese Entwicklung deutet auch eine Studie der Strategie- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton hin: Danach mussten im vergangenen Jahr in Deutschland 52 Prozent der entlassenen CEOs ihren Sessel wegen schlechter Leistungen vorzeitig räumen - weltweit liegt die Quote nur bei einem Drittel.

"Wesentliche Ursachen für die hohe Fluktuation liegen in Governance-Regelungen, die zunehmend greifen, sowie einer stärkeren Leistungsorientierung", erklärt Klaus Gushurst, -Peter Sprecher und Managing Partner von Booz Allen Hamilton, die Zahlen. Diese "neue Normalität" habe zur Folge, dass die Zeiten des Vorstandsvorsitzenden auf Lebenszeit endgültig vorbei seien. Immerhin: Rund jeder siebte CEO hat 2005 seinen Job unfreiwillig verloren. Deshalb dürften viele Top-Manager perspektivisch mehr Zeit in die persönliche Risikominimierung investieren, als ihnen und den Aktionären lieb ist.

Drei Standardsituationen sind laut Confurius besonders gefährlich für das Führungspersonal: erstens der Insolvenzfall, zweitens die Innenhaftung des Managements, nachdem die Gesellschaft von einem Dritten in Regress genommen wurde, und drittens die vorzeitige Entlassung des Vorstands. "Denn die Kontrollverantwortlichen - ob interne Aufsichtsräte, externe Buchprüfungsgesellschaften oder staatliche Kontrollgremien - sehen sich infolge der großen Insolvenzfälle der letzten Zeit immer mehr selbst der Kritik ausgesetzt, ihren Kontrollaufgaben nur unzureichend nachgekommen zu sein, was sicher noch stärker dazu motivieren wird, über Regressklagen die tatsächlich Verantwortlichen festzustellen", führt Confurius als Begründung an.

Den Auftakt zu dieser Entwicklung bildete eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) aus dem Jahre 1997, in der die Karlsruher Richter klarstellten, dass Aufsichtsräte dazu verpflichtet sind, das Bestehen von Schadensersatzansprüchen der Aktiengesellschaft gegenüber Vorstandsmitgliedern eigenverantwortlich zu prüfen (Az.: II ZR 175/95).

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