Arbeitsrecht
Schutz vor Willkür und Sozialauswahl

Entlassen, rausgeschmissen, geschasst, gefeuert, in die Wüste geschickt, auf die Straße gesetzt. Das klingt alles fies. Doch wenn sich Unternehmen neu organisieren oder wenn sie mit anderen fusionieren, sind Entlassungen an der Tagesordnung. Und zwar auf allen Hierarchieebenen.

wiwo DÜSSELDORF. So legen Unternehmen gerne zwei bis dahin selbstständige Abteilungen zusammen. Der Vorteil für den Arbeitgeber: Er benötigt so fast immer weniger Personal. Mit dem Argument, dass es für alle Angestellten nun nicht mehr genug zu tun gibt, kann er einigen betriebsbedingt kündigen. Wer bleiben darf, entscheidet die so genannte Sozialauswahl. Sie vergleicht alle Mitarbeiter der fusionierten Abteilungen – wer unter sozialen Gesichtspunkten schutzwürdiger ist, darf bleiben. Dabei konkurrieren nur Angestellte auf der jeweils gleichen Hierarchiestufe miteinander.

Das heißt: Von zwei Abteilungsleitern bleibt nur einer übrig, und das ist fast immer derjenige, der älter und länger im Unternehmen ist und außerdem mehr Kinder hat. Der Verlierer konkurriert anschließend nicht mit den Stellvertretern oder einfachen Sachbearbeitern um deren Position. „Es gibt keinen Verdrängungswettbewerb nach unten“, sagt Thomas Müller-Bonanni, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei Freshfields Bruckhaus Deringer. Ein Chef muss also fast immer gehen.

Gegen den Sozialautomatismus schützt letztlich nur eins: Leistung. „Wer breit qualifiziert ist und Erfahrung in zahlreichen Bereichen besitzt, findet leichter Unterschlupf an einer anderen Stelle im Unternehmen“, sagt Gernod Meinel, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei Hogan & Hartson Raue in Berlin. Möglicherweise ist der Arbeitgeber bei besonders Leistungsstarken auch bereit, einem anderen Mitarbeiter mit einer höheren Abfindung den freiwilligen Abschied schmackhaft zu machen. Eine Garantie ist das freilich nicht.

Die Gehälter bleiben nach solchen Abteilungsehen meist unberührt. Lediglich Zulagen, die an eine bestimmte Tätigkeit gebunden waren, können wegfallen. Das im Arbeitsvertrag festgeschriebene Grundgehalt darf dabei nicht unterschritten werden. Wenn nur noch Einzelnen ein Bonus gewährt wird, können sich die Benachteiligten darauf berufen, dass das Unternehmen sie ungleich behandelt. In der Praxis etabliert der Arbeitgeber deshalb meist ein neues Vergütungssystem, das die Boni für alle Angestellten einheitlich regelt.

Was passiert, wenn Abteilungen ausgelagert oder sogar ganze Standorte geschlossen werden, lesen Sie bei wiwo.de.

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