Arbeitsrecht Urlaubsansprüche sind heilig

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„Kündigt er zum Beispiel am 1. Februar zum 31. Juli, dann steht ihm der gesamte Resturlaub des vergangenen und der Urlaub des aktuellen Jahres zu. Das ist vielen in den Personalabteilungen aber gar nicht klar“, so Hey. Um durchzublicken, müssten diese sich vor allem um eine lückenlose Urlaubsdokumentation bemühen. „Daran hapert es aber oft“, beobachtet Arbeitsrechtler Daniel Krannich. „Wenn jemand kündigt und die Frage auftaucht, ob er seinen Urlaub schon genommen hat, dann ist oft das große Schulterzucken angesagt.“

Ein Grund für solche Irritationen könnte der Trend sein, das Personalmanagement auszulagern oder zumindest zu zentralisieren. Siemens zum Beispiel hat die gesamte Personalbuchhaltung seit drei Jahren von 84 deutschen Standorten in sechs Städten zusammengefasst. Und vom Herbst dieses Jahres an werden es sogar nur noch vier sein. Seitdem landen Fragen der Mitarbeiter zu ihrer Gehaltsabrechnung nicht mehr bei einem Sachbearbeiter, den sie kennen, sondern im anonymen Call-Center.

„Die Mitarbeiter dort können natürlich standardisierte Fragen beantworten, aber sobald irgendwas nicht so funktioniert, wie in der Theorie vorgesehen, wissen die gar nicht, was sie machen sollen“, berichtet Birgit Steinborn, Betriebsratsvorsitzende bei Siemens in Hamburg. Egal, ob es um Urlaub geht oder um andere Personalfragen: Der Arbeitgeber sollte auf jeden Fall die Prozesse selber in der Hand behalten, anstatt sich durch juristische Fehler angreifbar zu machen, rät Daniel Krannich. Ein solcher Fehler ist es zum Beispiel, Mitarbeiter aus dem Urlaub an den Arbeitsplatz zu zitieren: Selbst wenn der Betroffene solchem Ansinnen zustimmt, bleibt die Vereinbarung rechtlich unwirksam. Wie das Bundesarbeitsgericht (Aktenzeichen 9 AZR 405/99) schon früher urteilte, muss es ein Arbeitnehmer nicht hinnehmen, „ständig damit rechnen zu müssen, zur Arbeit abgerufen zu werden“.

Kleiner Trost: Der Mitarbeiter kann genauso wenig vorzeitig nach Lust und Laune an seinen Schreibtisch zurückkehren. Etwa weil das Wetter am Urlaubsort verheerend war und er sich noch eine Woche Ferien für später aufsparen will. Auch umgekehrt gilt: Genehmigt ist genehmigt und angetreten ist angetreten.

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