Arbeitsrecht: Wenn Mitarbeiter auf Sparflamme kochen

Arbeitsrecht
Wenn Mitarbeiter auf Sparflamme kochen

In Zeiten zunehmenden Wettbewerbsdrucks und hoher Arbeitslosigkeit wächst auch der Leistungsdruck auf die Beschäftigten. Denn kaum ein Unternehmer ist hier zu Lande noch bereit, leistungsschwache Mitarbeiter auf Dauer mitzuziehen.

GARMISCH. Dafür zeigt selbst das Bundesarbeitsgericht (BAG) Verständnis: "Der Arbeitnehmer muss tun, was er soll, und zwar so gut, wie er kann." Wer ein Drittel weniger leiste als seine Kollegen, müsse mit einer Kündigung rechnen, schrieben die Erfurter Richter einem 52-jährigen Kommissionär ins Stammbuch, der nur 50 bis 60 Prozent der Durchschnittsleistung in dem Betrieb erbracht hatte (Az.: 2 AZR 66/02).

Soweit die Theorie - in der Praxis bleibt die personen- oder verhaltensbedingte Kündigung von "Low Performern" für den Arbeitgeber ein Vabanquespiel. So verwiesen die Erfurter Richter den Kommissionärsfall wieder an das Landesarbeitsgericht (LAG) Hamm zurück. Dort monierte das Gericht, der Arbeitgeber habe es versäumt, bei der Festsetzung der Normalleistung nur Arbeitnehmer der gleichen Altersstufe als Vergleichsmaßstab heranzuziehen (Az.: 19 (11) Sa 1167/01). Insbesondere bei rein körperlichen Tätigkeiten seien diese durchschnittlich leistungsschwächer als jüngere Arbeitnehmer.

"Gerade bei solchen Tätigkeiten, die noch von älteren Arbeitnehmern erbracht werden können, ist es erforderlich, dass auf ältere Mitarbeiter Rücksicht genommen wird, damit sie nicht vorzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden müssen", fordern die Hammer Richter. Nur wenn sich der Arbeitnehmer unter Berücksichtigung seines Alters nicht genügend anstrenge oder aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage sei, die ihm übertragenden Tätigkeiten zu verrichten, komme eine Kündigung wegen Leistungsschwäche in Betracht. Im konkreten Fall hielt das Gericht diese Voraussetzungen für nicht gegeben.

Dass die Kündigung leistungsschwacher Mitarbeiter aus Arbeitgebersicht oft am seidenen Faden hängt, belegt auch ein Urteil des LAG Köln: In dem Kölner Fall hatte der Leiter der internen Revision den Scheck eines zum Konzern gehörenden Geschäftsführers in Höhe von 6 000 Euro einfach durchgewunken, obwohl für diesen Betrag kein Verwendungszweck angegeben worden war. Die verhaltensbedingte Kündigung durch den Arbeitgeber hielten die Richter gleichwohl für unzulässig (Az.: 9 (6) Sa 1059/04).

Begründung: Der Chef hätte der Kündigung zumindest eine erfolglose Abmahnung vorausschicken müssen, zumal er die Leistungen des sorglosen Revisionsleiters noch kurz vorher als "leicht über dem Durchschnitt" beurteilt hatte. Glück im Unglück für den Arbeitgeber: Den Auflösungsantrag ließ das Gericht gegen eine Abfindung von 14 000 Euro durchgehen. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sei nämlich nicht mehr möglich, weil der Arbeitgeber einen besonders sorgfältigen Prüfer benötige, der bei Unregelmäßigkeiten auch auf Geschäftsführerebene hart durchgreife.

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