Auch in den kommenden Jahren überdurchschnittliche Gehaltssteigerungen
IT-Gehälter: Es geht weiter kräftig aufwärts

Frohe Kunde für IT-Spezialisten: Ihre Gehälter steigen auch 2001 wieder überdurchschnittlich. Das ist das Ergebnis einer neuen Gehaltsstudie der Kienbaum Vergütungsberatung. Wie hoch die Bezüge der begehrten Fachkräfte genau sind, hängt danach unter anderem wesentlich von der Größe des Unternehmens ab. Weiteres Ergebnis der Studie: Der Trend hin zu variablen Gehaltsbestandteilen ist ungebrochen.

GUMMERSBACH. Der Fachkräftemangel in der Informationstechnologie hat für die IT-Experten zweifellos auch eine gute Seite: Sie sind extrem gefragt. Das drückt sich auch in diesem Jahr wieder in ihren Gehältern aus. Mit 5,5 Prozent (Führungskräfte) bzw. 6,5 Prozent (Fachkräfte) verbuchten sie laut der Kienbaum-Studie „Vergütung 2001 Führungs- und Fachkräfte der Informationstechnologie" ein deutlich höheres Gehaltsplus als die Mitarbeiter anderer Unternehmensbereiche. Wie eng es auf dem Markt zugeht, zeigt der Vergleich zu den Gehalts-Wachstumsraten der vergangenen Jahre: 1999 und 2000 ermittelten die Kienbaum-Experten für die durchschnittlichen IT-Gehälter Zuwächse zwischen 2,4 und 3,4 Prozent.

Malte Brümmer, Projektleiter der Studie, lässt keinen Zweifel daran, dass der Mangel an IT-Fachkräften Triebfeder für diese Entwicklung ist. „Angemessene und vor allem attraktive Rahmenkonditionen sind eine Voraussetzung, um qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und langfristig zu binden“, sagt Brümmer. Dies werde sich auch in den kommenden Jahren nicht wesentlich ändern. „Eine Erholung am Arbeitsmarkt sehe ich in diesem Bereich frühestens in fünf bis sechs Jahren. Bis dahin können die IT-Experten auch weiter mit überdurchschnittlichen Gehaltssteigerungen rechnen“, prognostiziert der Vergütungsexperte.

Schlüsselfaktor Unternehmensgröße

Als Schlüsselfaktor für die Höhe des Gehalts machten die Kienbaum-Experten die Unternehmensgröße aus. Daneben wird unter anderem die hierarchische Stellung als bestimmender Faktor genannt. So könne die Position eines Leiters Organisation und IT in einem Großkonzern doppelt so gut dotiert sein wie in einer kleineren Gesellschaft. Laut der Studie wird eine solche Funktion durchschnittlich mit rund 216 000 Mark jährlich entlohnt; einem Systemprogrammierer werden etwa 110 000 Mark überwiesen.

Bei der Zusammensetzung des Gehalts nimmt laut der Studie der Anteil der variablen Bestandteile weiter zu. Zusätzlich zum Festgehalt werden in diesem Jahr 76 Prozent der Führungskräfte unterhalb des Vorstands mit durchschnittlich 32 000 Mark variabel vergütet. Auf der zweiten Ebene sind es danach mittlerweile 68 Prozent, die über einen variablen Gehaltsbestandteil verfügen. Die Höhe dieser Leistungen wird dabei in der Regel von der Ertragslage des Unternehmens bestimmt. Je nach Unternehmenserfolg macht der flexible Gehaltsbestandteil bei Führungskräften durchschnittlich 13 bis 19 Prozent der Bezüge aus. Neben den monetären Leistungen sind in der Regel eine Reihe betrieblicher Zusatzleistungen Bestandteil des Vergütungspakets. Besonders beliebt ist auch ein Firmenwagen, der auch privat unbegrenzt genutzt werden darf.

Aktienoptionen derzeit nicht sehr gefragt

„In erster Linie geht es bei den variablen Gehaltsbestandteilen derzeit um zielgebundene Leistungsboni“, erläutert Brömmer. Auch Beteiligungen beispielsweise in Form stiller Gesellschafteranteile gebe es vermehrt. Aktienoptionen seien auf Grund des aktuellen Börsenumfeldes dagegen im Moment weniger gefragt. Dies treffe vor allem die Arbeitgeber aus der New Economy, die es dadurch schwerer hätten, qualifizierte Mitarbeiter für sich zu gewinnen. „Aber ich sehe darin eher eine kurzfristige Trendumkehr als Folge der vielen Startup-Pleiten der vergangenen Wochen und Monate“, sagt Brümmer. „Wenn sich die Börsenturbulenzen wieder etwas gelegt haben, werden auch Stock-Options-Modelle wieder verstärkt kommen.“ Auf der anderen Seite habe sich aber auch die Erkenntnis durchgesetzt, dass man durch einen Job in der New Economy und durch Stock Options nicht automatisch reich werde.

An der Gehaltsstudie beteiligten sich 309 Unternehmen. Sie lieferten den Kienbaum-Vergütungsspezialisten für die Untersuchung Daten von 6323 Führungs- und Fachkräften. Dabei wurden 35 Positionen und Funktionen im Bereich Informationstechnologie branchenübergreifend untersucht.

Marc Renner  Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Marc Renner
Handelsblatt / Chef vom Dienst
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