Aufsichtsratsvergütungen
Kontrolle ist gut – und teuer

Der Einfluss von Aufsichtsräten in deutschen Konzernen ist deutlich gewachsen. Dies zeigt sich beispielhaft am Fall Siemens. Ihre Professionalität lassen sich die Unternehmensaufseher immer besser bezahlen. Doch die Unterschiede in der Vergütung sind enorm.

DÜSSELDORF. Die wachsende Professionalisierung deutscher Aufsichtsräte schlägt sich in einer deutlich besseren Bezahlung nieder. Im Schnitt zahlten die Dax-Firmen ihren Chefaufsehern im vergangenen Jahr 285 000 Euro pro Jahr – ein durchschnittliches Plus von 15 Prozent. Damit sei ein Niveau erreicht, dass „ihrem gesetzlichen Auftrag und ihrer hohen Verantwortung entspricht“, sagt Vergütungsexperte Heinz Evers, der für das Handelsblatt die Aufsichtsratsbezüge analysiert hat. Der Zuwachs von 15 Prozent entspricht dem Gewinnwachstum der Dax-Konzerne im Geschäftsjahr 2007. Vorstandsbezüge der Dax-Firmen stiegen dagegen nur um sechs Prozent.

Allerdings wurde der Rat deutscher Firmenkontrolleure noch nie so unterschiedlich entlohnt. Die mit 663 000 Euro bestbezahlte Position bei der Deutschen Bank liegt um das Dreizehnfache höher als der Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden beim Chiphersteller Infineon. Dort bekommt Max Dietrich Kley 50 000 Euro. Der ehemalige BASF-Finanzchef ist damit Schlusslicht im Dax. Franz Haniel (Metro) und Hans Friderichs (Adidas) weisen zwar noch geringere Bezüge aus. Beide waren 2007 jedoch nur wenige Monate im Amt.

Die 30 Chefpositionen im Dax teilten sich im vergangenen Jahr 24 Männer. Zusammen kommen sie auf 64 Mandate in Dax-Aufsichtsräten. Fünf von ihnen führen sogar zwei Kontrollgremien: Gerhard Cromme (Thyssen-Krupp, Siemens), Manfred Schneider (Bayer, Linde), Jürgen Weber (Lufthansa, Post), Ferdinand Piëch (VW, MAN), Kurt Viermetz (Deutsche Börse, Münchener Rück). Der sechste war Klaus Zumwinkel (Postbank/Telekom). Deutsche-Bank-Chefaufseher Börsig hatte erst kürzlich im Handelsblatt-Interview gesagt, dass er für sich einen zweiten Vorsitz ausschließe.

Evers sieht die Ämterhäufung kritisch. „Durch die extreme Belastung steigt die Gefahr von Fehlleistungen.“ Hartmann, Cromme, Schneider und Börsig hatten insgesamt bis zu sechs Mandate. Cromme musste im Zuge der Aufarbeitung des Korruptionsskandals bei Siemens zwei davon aufgeben (bei Eon und Lufthansa), Börsig geht jetzt bei Lufthansa raus. Für ihre Dax-Mandatsbezüge haben Cromme, Börsig, Schneider und Hartmann inzwischen die Millionengrenze überschritten. Hartmann führt unangefochten mit 1,26 Mill. Euro für fünf Posten.

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