Ausländische Business Schools sind besser
Ackermann kritisiert deutsche Hochschulen

Schwere Vorwürfe gegen die deutschen Hochschulen erhebt Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Auf einer Veranstaltung des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft in der Essener Villa Hügel stellte Ackermann einen direkten Zusammenhang zwischen der mangelnden internationalen Konkurrenzfähigkeit der deutschen Banken und der Forschungs- und Ausbildungsleistung der Hochschulen her.

HB ESSEN.. „Die Zurückhaltung der (universitären Forschung und Lehre) in der modernen Finanzmarkttheorie bis in die 90er Jahre hinein hat dazu geführt, dass die regionalen Banken (in Deutschland) den Anschluss an die globale Entwicklung verpasst haben.“

„Für uns ist das Überleben am Standort (Frankfurt) ganz wesentlich damit verbunden, dass wir die besten Talente und natürlich auch die besten Dozenten der Welt vor Ort haben“, sagte Ackermann weiter. Dass viele der Top-Talente im Bank- und Finanzbereich heute Amerikaner oder Inder (und nicht Deutsche) seien, sei auch Schuld der Hochschulen. „Das müsste nicht so sein, und es zeigt einfach, dass wir keine enge Kooperation zwischen den Bedürfnissen der Wirtschaft und den Hochschulen bei den Lehrinhalten entwickelt haben.“

Dass das Thema dem Deutsche Bank-Chef wichtig ist, zeigt die Rede, die Ackermann Anfang November an der Hochschule für Bankwirtschaft (HfB) in Frankfurt halten wollte. Nach dem Manuskript, das dem Handelsblatt vorliegt, sagt Ackermann: „Ein Finanzplatz bedarf gut ausgebildeter Fachleute. Er braucht einen Pool mit einer kritischen Masse an Experten. Das intellektuelle Potenzial ist mittlerweile das vielleicht konstitutive Merkmal eines erfolgreichen Finanzplatzes.“

In seiner geplanten HfB-Rede führt Ackermann auch genauer aus, in welcher Weise die angelsächsischen Länder als Vorbild dienen können: „Bank- und Finanzwissenschaft zählen sicher zu den akademischen Disziplinen, in denen der Transfer von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Praxis besonders rasch vonstatten geht. Die Namen Black, Scholes und Merton fallen einem sofort ein. Harry Markovitz' Portfolio-Theorie war die Grundlage nicht nur für die heutige Asset Management-Branche, sondern auch für das moderne Risikomanagement.

Die ebenfalls mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Arbeiten von Clive Granger oder Robert Engle zur Analyse von Zeitreihen fanden sofortige und vielfältige Anwendung bei der Untersuchung von Finanzdaten. Eugene Famas „efficient market hypotheses“ führte direkt zur Entstehung von Indexfonds. William Sharpe, der Urvater des Capital Asset Pricing Model (CAPM), beriet führende Banken bei deren Handelsstrategie und Fondsmanagement.“

Tatsächlich gibt es eine sehr enge Verbindung zwischen den führenden Business Schools und der Finanzwelt. In den vergangenen Jahren gingen oft ein Drittel eines MBA-Absolventenjahrgangs in’s Investment-Banking. So erstaunt es nicht, dass es selbst Ranglisten der besten Business Schools in „Finance“ gibt; Chicago, Harvard, Sloan (MIT), Wharton und Columbia, sowie in Europa die London Business School, führen die Ranglisten derzeit an.

Die University of Chicago Graduate School of Business, die sich mit sechs Wirtschaftsnobelpreisträgern schmücken kann, überragt durch ihre schiere Größe die Konkurrenz. Allein das Finance-Department zählt hier 39 Professoren und Dozenten (Associate und Adjunct Professors). Die „Finance Unit“ der Harvard Business School zählt 34 Namen. Und die Wharton School der University of Pennsylvania bietet ihren Studenten nicht weniger als zwei Dutzend verschiedener Finance-Kurse an.

Wie schnell führende Business Schools in Forschung und Lehre auf aktuelle Entwicklungen eingehen, zeigt das Beispiel der London Business School. Hier entstand soeben das Centre for Hedge Fund Research and Education - auch mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Bank.

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