Auslandsentsendungen
Konkurrenz für Expats

Expats sind Wanderer zwischen den Welten und müssen tief in die fremde Kultur eintauchen. Sonst werden sie zunehmend von lokalen Konkurrenten verdrängt. Denn diese sind fachlich immer besser qualifiziert und bringen inzwischen viel Auslandserfahrung mit.

DÜSSELDORF. Zwischen Göttingen und Yokohama liegen manchmal Welten - diese Erfahrung machte Robert Buchmann, Vertriebsleiter von Mahr, einem der weltweit führenden Anbieter von Fertigungsmesstechnik mit Stammsitz in Niedersachsen. Immer wieder gab es Spannungen mit der Japantochter. "Wir wollten schnelle Entscheidungen, aber unsere japanischen Manager konnten das ihrem Team nicht vermitteln", erzählt Buchmann.

Die Lösung: eine Doppelspitze aus einem Japaner und einem japanerfahrenen Deutschen. Vor Ort rekrutierte Mahr einen Maschinenbauer, der in Sprache und Kultur zu Hause ist. Wünsche des Stammhauses kommen nun nicht mehr par ordre du mufti, sondern diese bespricht der Deutsche mit den Japanern abends locker bei Karaoke und Sake. Buchmann erleichtert: "Seitdem haben wir Ruhe."

Der klassische Expatriat, der nur auf Englisch oder per Dolmetscher mit seinen Mitarbeitern kommunizieren konnte, hat ausgedient. "Entsandte Manager, die nicht in ihr Gastland eintauchen, sondern abgeschottet von Einheimischen sich in Luxushotels mit der Expat-Community vergnügen, bringen ihrem Unternehmen keinen Nutzen", urteilt Patrick Schild von der Personalberatung Ray & Berndtson. "Solche Expats bereichern lediglich ihren Lebenslauf auf Kosten der Firma." Schild berichtet aus eigener Anschauung, er arbeitete selbst über 15 Jahre für deutsche Großbanken in Hongkong, Großbritannien und Frankreich.

Fakt ist: Die Anpassungsfähigkeit an fremde Kultur und Geschäftsgebaren (neudeutsch: Cultural Fit) wird immer entscheidender, um als Expat bestehen zu können. Dazu zählt selbstverständlich die Sprache. Beispiel Japan: 65 Prozent der deutschen Firmen vor Ort betrachten Japanisch als essenziell für die Geschäftskommunikation von Expats. Das ergab eine Umfrage unter 121 Japantöchtern der dortigen deutschen Kammer mit den Universitäten Kobe und Duisburg-Essen.

Keine Frage: Immer mehr Deutsche verbringen inzwischen Teile ihrer Schul- und Studienzeit im Ausland, vermehrt auch in Ländern, die als exotisch gelten. Viele Studiengänge kombinieren BWL mit schwierigen Sprachen. Wer nach oben will, weiß: Ohne relevante Auslandserfahrung bleibt in vielen Firmen der Weg in die Führungsetage versperrt.

Jedoch bekommen selbst auslandskundigste Expats immer härtere Konkurrenz: Denn der Mangel an qualifizierten lokalen Fach- und Führungskräften in Schwellenländern schwächt sich deutlich ab. Die Folge: Viele Firmen ersetzen den klassischen Expat Schritt für Schritt durch hochkarätige lokale Manager mit Auslandsstudium oder durch Entsandte aus der Region.

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