Autor Reinhard Sprenger über Fehler der Unternehmen
„Geld erzeugt Strohfeuer, keine Motivation“

Reinhard Sprenger, 51, ist Deutschlands meistgelesener Management-Autor. Im Interview erklärt er, wie man Unternehmen erfolgreich führen kann und warum er nun Politikern auf die Sprünge helfen will.

Handelsblatt: Herr Sprenger, bisher haben Sie Unternehmen auf die Finger geschaut. Jetzt haben Sie ein Buch über den Staat geschrieben, der Deutschland kaputt regiert. Wollen Sie nun den Politikern auf die Sprünge helfen?

Sprenger: Ja. Ich sehe schlimme Parallelen zwischen der Art, wie Unternehmen geführt werden und wie unser Land geführt wird. Unser Land kann etwas lernen von den Praktiken, die in den Unternehmen so viel Demotivation, Widerstand, Zynismus und letztlich schlechte Ergebnisse erzeugen. So, wie viele Führungskräfte ihre Mitarbeiter klein und angepasst halten, um sich unersetzlich zu machen, so beuten viele Politiker die behauptete Hilflosigkeit von Bürgern aus, um ihrem Machtegoismus zu dienen.

Erläutern Sie das bitte.

Sprenger: Die Politik überzieht gerade den öffentlichen Dienst mit Bonus-Systemen und Lenkungsanreizen. Der Staat rechtfertigt das mit dem Hinweis auf die Privatwirtschaft. Seit über 35 Jahren ist aber belegt, dass ein Außenreiz den Eigenantrieb langfristig zerstört. Mit Geld erzeugt man nur eine Strohfeuermotivation, langfristig aber sinkt die Arbeitsmoral. Unter der Fahne des New Public Management wiederholen nun die Staatsbetriebe die leidvollen Erfahrungen der Unternehmen. Schon bald werden sie mit unerwünschten Folgen zu kämpfen haben – zu Lasten der Steuerzahler.

Demotivieren also Lohnanreize statt zu motivieren?

Sprenger: Ja, sie ersetzen die Bindung an die Aufgabe durch die Bindung an die Bezahlung. Dies erzeugt Belohnungssucht, zerstört ein gutes Kooperationsklima und untergräbt die Risikofreude. Man kann Motivation, gute Zusammenarbeit und Kreativität nicht einfach kaufen. Positiv gewendet: Man muss die Leute gut und fair bezahlen – und dann alles tun, damit sie das Geld vergessen. Über ihren Lohn denken sie immer nur dann nach, wenn sie ansonsten unzufrieden sind.

Wie kann man Unternehmen erfolgreich führen?

Sprenger: Es zeigt sich, dass Unternehmen auf sehr verschiedene Weise erfolgreich sein können. Der mitarbeiterorientierte dm-Drogeriemarkt auf ganz andere Weise als der nur profitorientierte Schlecker-Drogeriemarkt. Es gibt keine goldene Regel, und wenn es sie gäbe, ich würde raten, ihr nicht zu folgen.

Warum nicht?

Sprenger: Weil Nachahmen der sichere Weg ist, stets zweiter Sieger zu sein.

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