Babys und Beruf
Mein Chef ist Mama

Kind und Karriere wollen viele. Aber geht das auch als Führungskraft? Fünf Chefinnen in Teilzeit machen vor, wie sich anspruchsvolle Jobs und Familienleben miteinander vereinbaren lassen – wenn Vorgesetzte, Kollegen und privates Umfeld mitziehen.
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Montag ist Kindertag. Den verbringt Bärbel Kubitz oft auf einem der Spielplätze in Berlin-Teltow. Mit ihrer 14 Monate alten Tochter und ihrem fünfjährigen Sohn sitzt sie im Sandkasten und backt „Matschkuchen“. Dienstag und Mittwoch sind Bürotage. Dann fährt Kubitz morgens um sieben mit dem ICE nach Hannover und diskutiert beim Gebäckhersteller Bahlsen mit dem Marketing-Team über Umsätze, Verbraucherstudien und neue Produkte.

Ihren dritten Arbeitstag verteilt Kubitz „großzügig auf den Rest der Woche“. Von zu Hause aus telefoniert sie täglich mit Mitarbeitern oder Werbeagenturen. Wenn die Kinder schlafen, beantwortet die 40-Jährige E-Mails. Kubitz ist als Marketing-Managerin bei Bahlsen für die europäischen Märkte zuständig und erledigt den Spitzenjob zurzeit auf einer 60-Prozent-Stelle.

Ein Doppelleben, das sie mit „Disziplin und Unterstützung im Unternehmen“ hinbekommt. Und weil zu Hause Ehemann und Mutter für die Kinder da sind, wenn sie mal in ihrem Apartment in Hannover übernachtet oder auf Geschäftsreisen unterwegs ist. Davon profitieren alle: Kubitz muss nicht auf ihren Führungsjob verzichten, die Kinder nicht auf ihre Mutter und Bahlsen nicht auf die erfahrene Managerin.

Kind und Karriere, noch dazu in einem Führungsjob? Dafür müssen Betroffene meist hart kämpfen: Vorurteile aus dem Weg räumen, Vorgesetzte und Mitarbeiter überzeugen und häufig auch einen Kulturwandel im Unternehmen in Gang bringen.

Ideal und Wirklichkeit sind weit voneinander entfernt: Nur elf Prozent der Führungskräfte in Deutschland arbeiten in Teilzeit; 14 Prozent der weiblichen Chefs, zwei Prozent der männlichen. Arbeitgeber wie Mitarbeiter bleiben „unter den Möglichkeiten der technologiegetriebenen Arbeitswelt“, sagt Gisela Erler, Chefin des „Familienservice“, der im Auftrag von Firmen die Kinderbetreuung für Mitarbeiter organisiert. Die Barriere „ist nicht die Machbarkeit, sondern steckt in den Köpfen“.

Erst allmählich entsteht eine bessere Infrastruktur. Zwar weiß jeder, dass virtuelle Teams gut zusammenarbeiten können und dass sich Mitarbeiter auch mal per Telefon anleiten lassen. Theoretisch. Praktisch aber herrscht die Sorge vor der „vermeintlichen Nicht-Verfügbarkeit“ eines Entscheiders.

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