Banken
Gute Zeiten für Spezialisten

Prokurist, Abteilungsdirektor, Bereichsleiter – so sah lange der klassische Aufstieg im Bankgeschäft aus. Doch die Geldinstitute haben mittlerweile ganze Hierarchiestufen gestrichen. Karriere machen jetzt auch Experten ohne Führungsverantwortung.

DÜSSELDORF. Wer als Mitarbeiter einer Bank vor allem auf das eigene Konto schaut, muss umdenken: Nicht allein die klassischen Führungsaufgaben führen in die hohen Gehaltsklassen. Auch Spezialisten verdienen inzwischen ausgesprochen gut. Und oft kann dieser Weg sogar der klügere sein, um im Unternehmen voranzukommen. Das zeigt eine Analyse der Vergütungsmodelle in deutschen Banken, die die Unternehmensberatung Towers Perrin in Frankfurt für das Handelsblatt durchgeführt hat.

Prokurist, Abteilungsdirektor, Bereichsleiter – so sah lange der klassische Aufstieg im Bankgeschäft aus. Doch die Branche hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert, und damit auch die Spielregeln für den Erfolg: „Eine Karriere bei Banken besteht nicht mehr zwingend aus der Übernahme von Führungsaufgaben“, beobachtet Martin Emmerich, Bankexperte bei der Unternehmensberatung Towers Perrin. „Durch den Umbau in vielen Banken gibt es dort oft weniger Hierarchieebenen und Führungspositionen. Gleichzeitig werden es mehr Themen, bei denen Spezialwissen gefragt ist.“

Die meisten Institute stehen unter Druck: Mit weniger Personal müssen sie mehr erreichen. Viele haben dabei ganze Managementebenen abgeschafft, so dass die Chance, überhaupt Führungskraft zu werden, gesunken ist. Zugleich stecken die meisten Banken mitten im Umbau. „Trotz des Personalabbaus entwickeln sie gezielt neue strategische Geschäftsfelder und stellen dafür auch neue Leute ein“, urteilt Emmerich. Sie suchen zum Beispiel Fachleute, die sich mit Finanzinstrumenten wie Derivaten auskennen oder auf bestimmte Bereiche des Private Banking wie Wealth Management spezialisiert sind.“ Daneben suchen auch die Stabsbereiche Spezialisten für den Rechnungslegungsstandard IAS, Basel II und Risikomanagement. Bereits heute besteht hier ein Engpass an qualifizierten Spezialisten für all diese Themen.

Gut ein Viertel der 100 Top-Manager der Branche, die die Unternehmensberatung Steria Mummert aus Hamburg befragte, investiert deshalb stärker in die Personalentwicklung. Die Commerzbank startete dieses Jahr eine Rekrutierungsoffensive und stellte 600 Auszubildende und 250 Trainees ein. Nachdem jahrelang nur Personal abgebaut wurde, geht jetzt das Ringen um Talente los. Jeder dritte Banker erwartet laut Steria Mummert, dass sich die Geschäfte der Institute in den nächsten drei Jahren besser entwickeln als die gesamte deutsche Wirtschaft.

„Der Markt zieht wieder an, und das merken auch die Personalverantwortlichen“, bestätigt Martin von Hoeren, Vergütungsexperte bei Kienbaum Consultants in Wiesbaden. Gleichzeitig haben sich durch den Umbau der Institute auch die Aufgaben in den Banken selbst geändert. Viele Produkte und Dienstleistungen wie die Darlehensvergabe für Gewerbeparks oder Einkaufszentren entstehen immer öfter in Standardverfahren. Zum Beispiel mit der Profi-Software namens Paris bei der Hypo Real Estate Bank oder Summit bei der Aareal Bank. Einfach ist der Umgang mit diesen Werkzeugen nicht. Experten, die sie bedienen können, werden gut bezahlt und haben etliche Stellen zur Auswahl, wie die Towers-Auswertung zeigt.

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