Banker im Stress
Wenn 16 Stunden zu viel werden

Banker sein ist stressig. 16-Stunden-Tage sind keine Seltenheit. Auf Dauer hält das auch der härteste Mitarbeiter nicht aus. Die Gesundheit wird angegriffen, die Familie leidet. Einige Kreditinstitute haben das Problem erkannt und kommen ihren Beschäftigten entgegen. Die Regel sieht aber anders aus.

FRANKFURT. Alex P. will offiziell nicht darüber sprechen, warum er in seinem neuen Job bei einer Bank in Zukunft nicht mehr bis zu 16 Stunden täglich arbeiten will. Deshalb nur so viel: P. ist 41 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder. Er arbeitete bisher bei einer Großbank und er arbeitete sehr viel. Bislang. Das brachte ihn beruflich zügig nach oben, schaffte ein sehr auskömmliches Gehalt. Nur dass er unter der Woche seine Kinder kaum mehr zu Gesicht bekam, weil er meist schon weg war, als sie noch schliefen und erst da war, als sie schon wieder schliefen.

Das soll sich im neuen Job nun ändern. „Work-Life-Balance“ lautet das Stichwort, das natürlich aus den USA kommt und derzeit auch bei Personalverhandlungen in deutschen Banken mehr und mehr ein Thema wird. Damit in dem Viereck Arbeit-Familie-Freunde und einem selbst, in dem über Jahre hinweg die Arbeit dominiert hat, wieder vier gleich große Teile werden. Denn gerade bei den Banken stehen die meisten Mitarbeiter in den Jahren nach dem Berufseintritt unter einem immensen Bewährungsdruck. Dabei sind 14- bis 16-Stunden-Tage keine Seltenheit.

„Das sind oft Professionals, die sehr früh in Leitungspositionen kommen, in die man normalerweise erst später gelangt“, sagt Tim Zühlke, Geschäftsführer des Frankfurter Personalberaters Smith & Jessen. Dort ist man auf die Vermittlung von Spezialisten im Finanz- und Rechtsmarkt spezialisiert und beobachtet seit langem diese Entwicklung. Kommen dann privat Kinder dazu, setzt dies einen erheblichen Umdenkprozess in Gang. Manche sind sogar zu Gehaltseinbußen bereit.

„Work-Life-Balance ist in erster Linie die Eigenleistung eines jeden Menschen, aus verkrusteten Strukturen auszubrechen und bisherige Lebensführungsstrategien zu überdenken“, sagt Helmut Pfeifer, Experte für das Thema und Autor des Bestsellers „Power ja -Stress nein“. Der erste Schritt dazu müsse aber von jedem selbst kommen, betont er. Er selbst könne anschließend nur weitere Impulse geben.

Als sicher gilt, dass der Begriff „Work-Life-Balance“ noch viel mehr Banker in seinen Bann ziehen würde, könnten die sich weniger Arbeit finanziell leisten. Denn während die Führungselite einen solchen Schritt gewöhnlich finanziell gut verkraften kann, hat die breite Masse oftmals keine andere Wahl, als weiterhin „in der Tretmühle zu bleiben“, wie es ein Frankfurter Aktienhändler formuliert. „Ich habe bewusst meine Arbeitszeit auf 30 Stunden reduziert, mir war aber auch bewusst, dass ich damit beruflich nicht weiterkomme.“ Ein Commerzbank-Mitarbeiter sagt: „Finanziell geht das, weil meine Frau auch arbeitet, aber auch sie arbeitet bewusst Teilzeit.“ Das gab er bei einer groß angelegten Väterbefragung der Bank zu Protokoll.

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