BASF liegt an der Spitze
Konzerne bieten Rekord-Abfindungen

Abfindungen bei Deutschlands Großkonzernen erreichen bisher ungekannte Höhen. Daimler-Chrysler, Deutsche Telekom oder Siemens bieten Arbeitnehmern sechsstellige Prämien, wenn sie vorzeitig ihren Job aufgeben. Die Firmen nehmen für Abfindungen Milliardenbeträge in die Hand – und legen noch „Turboaufschläge“ drauf, wenn die Mitarbeiter bis Jahresende ausscheiden.

DÜSSELDORF/ FRANKFURT. Dafür gibt es einen Grund. Im nächsten Jahr dürften Aufhebungsvereinbarungen für die Unternehmen teurer werden. So wird die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes I für 52- bis 55-Jährige ab 31. Januar von derzeit 26 auf zwölf Monate verkürzt. Zusätzlich fallen Steuerfreibeträge weg. Das alles macht Abfindungen unattraktiver.

Daimler-Chrysler beispielsweise hat erst zu Wochenbeginn das geplante Programm zur Frühpensionierung um drei Monate vorgezogen. Personalvorstand Günther Fleig weist aber zurück, dass dies aus finanziellem Interesse geschehe. Grund allein sei der große Andrang der Beschäftigten. Die gesetzlichen Änderungen spielten dagegen keine Rolle.

„Die Kürzung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeld I kann dazu führen, dass die Unternehmen ab dem 31. Januar mit höheren Abfindungsforderungen als bislang rechnen müssen“, sagt Michael Tepass, Arbeitsrechtsexperte bei der Kanzlei Linklaters Oppenhoff & Rädler. Bei Aufhebungsvereinbarungen mit Arbeitnehmern, die das 55. Lebensjahr vollendet haben und noch vor dem Wirksamwerden der Neuregelung ausscheiden, müssten die Unternehmen unter Umständen bis zu 32 Monate das Arbeitslosengeld erstatten. Eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit sagte: „Selbst wenn, wie nach Abfindungen üblich, der Bezug des Arbeitslosengeld I für eine bestimmte Zeit ruht, kämen die betroffenen Mitarbeiter besser weg, wenn sie noch unter die aktuell gültige Regelung fallen.“

Schon jetzt übertreffen Großkonzerne übliche Abfindungen deutlich (siehe auch Tabelle am Ende des Artikels). Als Faustformel bei einer Auflösung des Arbeitsverhältnisses gilt: Pro Jahr der Zugehörigkeit zum Unternehmen erhält der Mitarbeiter ein halbes Bruttomonatsgehalt. Die Schwergewichte aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) zahlen aber meist das Doppelte des Monatsgehalts. Die Angebote zum freiwilligen Ausstieg müssen großzügig sein, weil im Gegenzug viele Konzerne betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen haben. Es gilt das Prinzip der doppelten Freiwilligkeit: Kein Mitarbeiter kann zum Gehen gezwungen werden. Aber es hat auch kein Mitarbeiter einen Anspruch darauf, das Unternehmen mit der angebotenen Abfindung zu verlassen. Damit wollen sich die Unternehmen davor schützen, jüngere Fachkräfte zu verlieren.

Mercedes zahlt einem 55-jährigen Angestellten mit 6 000 Euro Brutto im Monat und 40 Jahren Betriebszugehörigkeit bei vorzeitigem Ausscheiden maximal 250 000 Euro. Stimmt der Mitarbeiter dem Aufhebungsvertrag vor Jahresfrist zu, erhält er zusätzlich zehn Prozent, also insgesamt 275 000 Euro. Mercedes spart gegenüber einer Weiterbeschäftigung bis zum Rentenbeginn mit 65 mehr als eine halbe Million. Turbo-Zuschlag gibt es auch im Siemens-Konzern, der bei der Tochter SBS 2 400 Jobs streicht. Wer bis Jahresende geht, bekommt 1 200 Euro pro Dienstjahr extra.

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