Beim Absolventenkongress treffen Studenten auf Personaler – Nicht alle nutzen ihre Chancen
Karrieren beginnen in Köln

Sie tragen schwarze Anzüge oder schicke Kostüme. In ihren Aktentaschen schlummern Dutzende Bewerbungsmappen und in den Köpfen nur ein Ziel: der erste Job. Rund 12 000 Studenten und junge Akademiker suchten beim Kölner Absolventenkongress in der vergangenen Woche den Kontakt zu Unternehmen. Doch die meisten nutzten ihre Chancen eher schlecht als recht.

HB DÜSSELDORF.„Nur mal bei den Ständen vorbeischauen und fragen, welche Jobs es so gibt“, will etwa der 26-jährige Volkswirtschaftsstudent René. Doch schon nach den ersten drei, vier kurzen Gesprächen gibt er auf. „Viele Stellen bieten die Konzerne nicht“, lautet sein Fazit.

Ein vorschnelles Urteil: Auch wenn auf dem Kongress kein Vertrag unterschrieben wird, ist fast jedes der 250 Unternehmen, die in den Hallen der Kölner Messe einen Stand besetzen, auf der Suche nach künftigen Angestellten. Der Elektronikkonzern Philips, der im kommenden Jahr rund 100 Hochschulabsolventen einstellen wird, nutzt beispielsweise seit Jahren die Gelegenheit, bei dem Kongress Kandidaten für das Trainee-Programm zu suchen. „Von dem aktuellen Jahrgang haben wir alle Trainees hier kennengelernt“, berichtet Frank Suntinger, Leiter der Personalabteilung von Philips. „Wer jedoch in die engere Auswahl kommen will, muss uns etwas bieten.“

Und die Anforderungen sind alles andere als überzogen. Fast alle Personaler erwarten, dass sich die Bewerber zuvor über das Unternehmen informiert haben. „Wer im Internet bei uns eine freie Stelle gefunden hat und uns direkt auf diese anspricht, hat die erste Hürde so gut wie genommen“, sagt Suntinger. Rund 3 000 Absolventen besuchen seinen Stand, nur jeder fünfte hat sich jedoch im Vorfeld informiert. Danach gilt es, mit Persönlichkeit zu überzeugen. „Wir wollen Menschen, die kommunizieren können“, sagt Alexandra Brüggink, Projektleiterin im Personalmarketing des Textilfilialisten Peek & Cloppenburg (P & C) in Düsseldorf.

Für Suntinger ist vor allem die Einstellung der Studenten entscheidend. Anstatt zu fragen, was das Unternehmen ihnen bietet, sollten Studenten sich selbst vermarkten. Sätze wie „Wo kann ich Sie unterstützen“, höre jeder Personaler gern. Falls dann noch die üblichen Qualifikationen wie Studienabschluss, Studiendauer, Praktika und Fremdsprachen stimmen, ist das Etappenziel erreicht.

Die Personaler empfehlen den Absolventen dann meist, ihnen die komplette Bewerbungsmappe zuzuschicken. Die Unterlagen werden im Büro gesichtet. „Die besten Kandidaten erhalten von uns später eine Einladung zu weiteren Gesprächen“, sagt Brüggink. Und einige von ihnen auch eine Anstellung.

Denn Beispiele dafür, dass ein Besuch auf dem Absolventenkongress in einem Arbeitsverhältnis enden kann, sind leicht zu finden. Daniel Junker war vor einem Jahr noch als Student auf der Messe, heute ist er als Trainee in Köln. „Vor genau einem Jahr habe ich hier den ersten Kontakt mit P & C gehabt“, sagt er. Danach sei alles sehr schnell gegangen. Erst kam die Einladung zu weiteren Gesprächen und zwei Wochen später der Vertrag.

Und auch, wer keine Stelle gefunden hat, kann von einem solchen Kongress profitieren. So überprüfen Personalberater die Bewerbungsunterlagen und geben Tipps für das Vorstellungsgespräch. Denn der nächste Absolventenkongress ist bereits in Planung.

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