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Beleidigen darf nicht mal der Chef

"Ich dachte, orientalische Frauen sitzen den ganzen Tag nur rum, rauchen Wasserpfeife und essen Süßigkeiten." Das sagte Prinz Philip, der Ehemann der britischen Königin in Swansea in Wales über eine Bauchtanzgruppe, die ihr Können zum Besten gab.

Das ist natürlich ein Vorurteil. Genau wie dieses: Prinzen liegen den ganzen Tag auf der faulen Haut, geben Geld aus und reden Blödsinn. Wieder einmal hatte sich der Prinz unangemessen aufgeführt - und gegen die Benimmregeln verstoßen wie schon oft in seinem Leben. Denn: Ob adelig oder nicht, ob Chef oder nicht, keine Rolle - Regeln für gutes Benehmen sind in für alle gesellschaftlichen Schichten gleich. Es ist guter Stil, andere nicht zu bewerten oder zu beurteilen. Es sei denn, es handelt sich um Mitarbeiter, die im Vier-Augen-Gespräch von ihrem Vorgesetzten sachbezogene Kritik hören. In der Teeküche und in der Kantine ist das Tratschen über Kollegen und Vorgesetzte Büroalltag. Aber auch hier kennt jeder sehr wohl den Unterschied zwischen lästern und beleidigen oder gar die Ehre abschneiden.

Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen und Führungskräfte dürfen das erst recht nicht. Was sie sagen, wird von anderen zitiert und interpretiert. Doch Professionalität ist hier wichtiger als Authentizität oder freie Meinungsäußerung. Ein Prinz Philip spricht auch nicht für sich als Privatperson, sondern repräsentiert das Königshaus. Dieser Verantwortung muss sich jeder aus dem Hochadel oder Diplomat bewusst sein. Auch Mitarbeiter, die ihr Unternehmen repräsentieren - ob im Inland oder Ausland -, müssen strikt darauf achten, dass sie das Gesicht des Unternehmens sind und nicht als Privatleute wahrgenommen werden. Denn in den Augen der Kunden ist man die "Siemens-Frau", der "Telekom-Mann", der schroff - oder eben freundlich ist. Aus diesem Gründen kann es hochprofessionell sein, als Mitarbeiter einer Firma von "wir" zu sprechen statt von "ich"., wenn es etwa um Unternehmensphilosophien geht. Wie man sich aus der Affäre zieht, wenn man in eine Situation gerät, in der man Dinge beobachtet oder Gesprächsinhalte zu hören bekommt, die einem merkwürdig erscheinen, kommentiert man am besten so: "Das ist ja interessant", "Das wusste ich gar nicht", "Das ist ein neuer Ansatz, das Problem anzugehen". Königin Elisabeth brillierte im Gegensatz zu ihrem Mann, indem sie sagte: "Das muss ja interessant sein", als sie über die Aktivitäten der Tänzerinnen aufgeklärt wurde.

Die Grundregeln sind: "Gib Deinem gegenüber ein gutes Gefühl", "Belehrungen und Bewertungen sind tabu", "Interkulturelle Unterschiede werden nicht kommentiert", "Beleidigungen werden nicht angenommen", "Haltung ist angesagt" und "Jedem Geschenk, jeder Rede, jeder Darbietung gebührt Dank". Auch die Bauchtänzerinnen beherrschten diese Regeln, sie nahmen den Affront des royalen Rüpels gelassen: "Um ehrlich zu sein: Es ist eine Ehre, von einem Mitglied des Königshauses beleidigt zu werden. Das ist etwas, das man seinen Enkeln erzählt." Sie nahmen die Beleidigung nicht an, der Prinz konnte sein Gesicht wahren.

Redaktion: Claudia Tödtmann

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