Bernd J. Wieczorek, Deutschland-Chef bei Egon Zehnder International
„Wir suchen nach Ecken und Kanten“

Bernd J. Wieczorek steht an der Spitze des Beratungsunternehmens Egon Zehnder International und weiß, worauf es bei Führungskräften ankommt – oder ankommen sollte. Im Gespräch mit dem Handelsblatt äußert er sich über die Zukunft, Fähigkeiten und Probleme des Topmanagements.

Handelsblatt: Herr Wieczorek, in diesem Jahr müssen Vorstände in Deutschland erstmals vollständig ihr Gehalt offen legen. Gegner sagen, das fördert nur den Neid. Sind Manager wirklich so geldgierig?

Bernd J. Wieczorek: Das ist mir zu pauschal. Wir haben gerade eine umfangreiche Befragung abgeschlossen über die Motivation, eine neue Führungsaufgabe zu übernehmen. Eindeutiges Ergebnis: Das Einkommen spielt keinesfalls die entscheidende Rolle. Topmanager legen in erster Linie Wert auf die Attraktivität des Unternehmens und die gestalterischen Perspektiven der Aufgabe. Unternehmen, die sich darauf nicht einstellen, werden es in Zukunft noch schwerer haben, exzellente Leute zu gewinnen.

Gibt es überhaupt genug Nachwuchs fürs Topmanagement?

Gerade in Deutschland wird die Riege potenzieller Führungskräfte kleiner, schon wegen der demographischen Entwicklung.

Wenn schon die Ressourcen knapper werden, dann wäre das doch die Gelegenheit, mehr Frauen in Spitzenjobs zu holen.

Tatsächlich suchen viele Unternehmen inzwischen gezielt nach weiblichen Führungskräften. Nicht wegen der Frauenquote oder weil das gesellschaftspolitisch besser aussieht. Im Unterschied zu früheren Diskussionen sind das heute wirtschaftliche und keine sozialromantischen Beweggründe. Die Unternehmen wissen, dass der Nachweis überzeugender Frauenkarrieren Glaubwürdigkeit schafft. Wer bereits heute glaubwürdig handelt, hat morgen im Wettbewerb um die besten weiblichen Köpfe einen Vorteil.

Welcher Typ ist denn gefragt? Fünf Jahre McKinsey, drei Jahre Auslandseinsatz und zwei Jahre Stabsleitung scheinen das klassische Strickmuster für eine steile Karriere zu sein.

Ohne Frage begünstigen die derzeitigen Gepflogenheiten einen eher stromlinienförmigen Managertypus. Insbesondere in großen Konzernen müssen Nachwuchskandidaten häufig in vorgegebenen Systemen und Entwicklungsmustern funktionieren. Solche Rahmenbedingungen der optimalen Anpassungsfähigkeit prägen leider einen Teil der neuen Führungsgeneration.

Welchen Typus würden Sie denn empfehlen?

Wir suchen nach Menschen mit Profil, also auch mit Ecken und Kanten. Kandidaten mit einem zu glatten Werdegang haben meist keine Erfahrungen in Grenzsituationen. Sich unter Unsicherheit zu behaupten und Rückschläge zu verkraften ist eine ungeheuer wichtige Lebenserfahrung.

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