Bertelsmann-Studie
Mütter – „Gewinn für Firmen“

Mehr Mütter auf Chefsessel – das lohnt sich für die Wirtschaft insgesamt, wie auch für das einzelne Unternehmen. Zu diesem Schluss kommt eine Umfrage im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung und des Familienministeriums unter 500 Müttern in Spitzenpositionen der deutschen Wirtschaft.

BERLIN. Unternehmen, die Frauen mit Kindern keine Karrierechance böten, würden auf ein großes Potenzial verzichten, warnten Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) und die Vizechefin der Bertelsmann-Stiftung, Liz Mohn, bei der Vorstellung der Umfrage.

Pünktlich zum internationalen Frauentag am Mittwoch, dem 8. März weist die Studie auf die speziellen Fähigkeiten von Müttern hin – entgegen landläufiger Vorstellung können sie „ein Gewinn für die Unternehmen sein“, sagte Mohn. Was früher lediglich unter dem Aspekt der Gleichberechtigung diskutiert wurde, ist zu einem zentralen Thema der Familien- und Arbeitsmarktpolitik geworden. Der fehlende Nachwuchs hat den Blick auf das teilweise ungenutzte Reservoir der gut ausgebildeten Frauen gelenkt. Vehement bemüht sich etwa der Verband der Ingenieure um weibliche Interessenten.

Seit 1990 machen mehr Frauen als Männer Abitur, ganz oben sind sie jedoch noch immer die Ausnahme: Nach Zahlen des Informationsdienstes Hoppenstedt besetzten Frauen 2004 gerade mal knapp sieben Prozent der Spitzenpositionen in der Wirtschaft. In den Vorständen der 30 Dax-Unternehmen findet sich nur eine einzige Frau. Unter denen, die es geschafft haben, können wesentlich weniger Frauen Kinder vorweisen als ihre männlichen Kollegen. Rund 40 Prozent der Akademikerinnen zwischen 35 und 39 sind kinderlos. Väter in Spitzenfunktionen überlassen die Familienarbeit noch immer weitgehend ihren Frauen. Doch wie bewältigen Mütter einen Top-Job und was muss passieren, damit es mehr werden, fragte die Europäische Akademie für Frauen und Wirtschaft im Auftrag von Bertelsmann 500 Mütter in Führungspositionen oder selbstständige Firmenlenkerinnen.

Ein überraschendes Ergebnis war: Auch gut verdienende Managerinnen wollen die Betreuung ihrer Kinder nicht ausschließlich privat organisieren: Drei Viertel der Befragten sagten, dass eine gute öffentliche Kinderbetreuung ein entscheidender Faktor für die Vereinbarkeit von Kindern und Karriere sei. Private Betreuung – von der Kinderfrau bis zum Freundeskreis – müsse ohnehin dazu kommen, weil die öffentlichen Angebote weder zeitlich ausreichten noch genügend flexibel seien.

Die meisten der 500 Befragten arbeiten freiwillig Vollzeit. Ein Teil hat reduzierte Stellen, jedoch eher „vollzeitnah“ als die klassische Halbtagsstelle. Von den Unternehmen wünschen sich die weiblichen Top-Kräfte mit Kindern vor allem mehr Flexibilität. Es müsse möglich sein, bei Bedarf von zu Hause aus zu arbeiten und den Beginn und das Ende der Arbeitszeit den Anforderungen der Familie anzupassen – meinen die erfolgreichen Top-Frauen. „Eine Kultur, die Leistungen würdigt, nicht Anwesenheit“, fassen die Autorinnen der Studie zusammen.

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