Beruf und Erfolg
Schneller dran

Fehler können im Tagesgeschäft leicht geschehen. Etwa, wenn Aufsichtsräte zu üppige Gehälter oder zu hohe Abfindungen genehmigen. Topmanager sind zudem nicht nur für ihr Verhalten verantwortlich, sondern auch für das Treiben ihrer Untergebenen. Sie müssen ihre Organisation so gestalten, dass Risiken minimiert sind - das Spektrum reicht dabei von der IT-Sicherheit bis zur Korruptionsvermeidung. Und sie tragen grundsätzlich auch das Verhalten ihrer Vorstandskollegen mit. Das System zwingt zur gegenseitigen Kontrolle, zu Absprachen - und ist wegen der stets steigenden Komplexität in großen Unternehmen häufig kaum noch praktikabel.

Auch Jürgen Sengera und seine versammelten Ex-Kollegen holt die Vergangenheit nun noch einmal ein. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der Aufsichtsrat der WestLB acht ehemalige Vorstandsmitglieder beim Landgericht Düsseldorf auf Schadensersatz verklagt hat. Es geht um den Großkredit der Bank für den britischen TV-Verleiher Boxclever im Jahr 1999. Ein Gutachten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hatte Mängel bei der Überwachung des Engagements festgestellt, was Sengera im Juni 2003 nach nur zwei Jahren seinen Job als Vorstandschef kostete. In dem aktuellen Verfahren geht es nun um rund 125 Millionen Euro.

Im Zweifel müssen stets die Manager beweisen, dass sie keine Schuld trifft. Das klappt nur, wenn sie sich penibel an die Vorschriften halten und die Grundlagen ihrer Entscheidungen dokumentieren können. Und das noch Jahre später. Erweist sich etwa eine Übernahme als Flop, lässt sich eine Garantie über Mieteinnahmen nicht halten, muss der verantwortliche Manager sich nachträglich für diese rechtfertigen. Zwar scheuen gerade Unternehmen im Familienbesitz oft die öffentliche Auseinandersetzung mit ihren Entscheidern. "Aber spätestens wenn der Manager das Unternehmen verlässt, geht es im Hinterzimmer zur Sache", sagt Anwalt Confurius. Unter Hinweis auf den angerichteten Schaden wird die Abfindung gedrückt, werden die Altersbezüge gekappt.

In der Vergangenheit kamen Manager zu oft ungeschoren davon. Gerade Aufsichtsräte konnten sich leicht aus der Verantwortung stehlen, auch tölpelhafte Firmenlenker wurden mit goldenem Handschlag und ohne Nachfragen verabschiedet. Jetzt aber fürchten Experten bereits eine neue Generation risikoscheuer Checklisten-Führungskräfte, die aus Angst vor Haftungsfolgen stets den sichersten Weg wählen, jede Entscheidung juristisch prüfen lassen und so wertvolle Zeit verlieren. "Damit ist niemandem geholfen", sagt der Münchner BWL-Professor Manuel Theisen, "so würgt man unternehmerisches Denken im Keim ab." Einzelne Unternehmen klagen schon darüber, dass sie wegen der Haftungsrisiken nur noch schwer geeignete Aufsichtsräte finden.

"Die Verunsicherung ist groß", sagt Jan Wulfetange, Gesellschaftsrechtsexperte beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Natürlich sei es sinnvoll, wenn Manager ihre Entscheidungen gründlich überdächten und auf einer möglichst breiten Informationsbasis träfen. "Es kann aber nicht sein, dass letztlich Juristen entscheiden, ob ein Geschäft zu Stande kommt oder nicht", meint Wulfetange.

Rechtlicher Beistand ist inzwischen oft unverzichtbar. Zumal auch die Versicherungen auf die wachsende Zahl von Schadensfällen reagiert haben.

Das Segment der Manager-Haftpflichtversicherungen, kurz D&O, wächst. So erwartet etwa die Münchener Rück in den nächsten fünf Jahren hier eine Zunahme von 50 Prozent. Proportional zur Nachfrage steigen auch die Summen, die die Versicherer erstatten müssen.

Viele Manager bestehen inzwischen auf den Abschluss einer D&O-Police, bevor sie ihren Vorstands- oder Geschäftsführerposten antreten. "Die Nervosität steigt und mit ihr die Nachfrage nach Versicherungen, die das Schlimmste verhindern", sagt Haftpflichtexperte Thomas Wollstein. Die Münchener Rück hat darauf reagiert und mit dem Malik-Management-Zentrum in St. Gallen einen Selbsttest für Manager entwickelt. Für 1275 Euro können besorgte Führungskräfte eine CD bestellen, sich am Bildschirm durch Checklisten klicken und so ihr persönliches Risiko kontrollieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%