Berufswahl

Wirtschaft entwickelt ein Konzept für Schulen

Viele Jugendliche fühlen sich an ihrer Schule nicht gut auf den Arbeitsmarkt vorbereitet. In einem Leitfaden gibt die Bundesarbeitsgemeinschaft Schule-Wirtschaft nun Tipps, wie Lehrer ihre Schüler besser auf den Berufseinstieg vorbereiten. So sollen die Schulen das Thema Berufsorientierung Schritt für Schritt in ihren Schulalltag einbeziehen.
  • Britta Mersch
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Jugendliche schauen einem Zahntechniker auf die Finger: Berufsorientung im Schulalltag Quelle: ap

Jugendliche schauen einem Zahntechniker auf die Finger: Berufsorientung im Schulalltag

(Foto: ap)

DÜSSELDORF. Beim Thema Berufswahl sind viele Schulabgänger wenig kreativ. Die meisten kennen nur die klassischen Berufe, etwa Kraftfahrzeugmechatroniker oder Einzelhandelskaufmann - Tätigkeiten, für die es die meisten Auszubildenden gibt. Dabei steht Schulabgängern ein sehr breites Spektrum zur Verfügung, sie können zwischen 350 verschiedenen Ausbildungsberufen wählen. Und es kommen laufend neue hinzu, etwa der "Personaldienstleistungskaufmann", ein Ausbildungsberuf speziell für Zeitarbeitsfirmen: "Viele Schüler kennen die Chancen und Perspektiven nicht", sagt Yvonne Kohlmann, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Schule-Wirtschaft (BuAG).

Das Problem ist: Viele Schüler werden an ihrer Schule nicht genug auf den Beruf vorbereitet. Um das Thema stärker in den Fokus zu rücken, hat die BuAG deshalb den "Leitfaden Berufsorientierung" entwickelt, der sich gezielt an Schulen und Lehrer richtet. Auf insgesamt 144 Seiten gibt es Tipps, wie Lehrer das Thema besser in den Schulalltag integrieren können. Schließlich zeigt eine Studie des Hochschul-Informationssystems (HIS), dass der Bedarf da ist. Danach fühlt sich nur ein Viertel der Abiturienten über Ausbildungs- und Berufschancen gut informiert, ein Drittel bezeichnet den Informationsstand als unzureichend.

Schüler meiden vor allem Technik und Naturwissenschaften

Eine Situation, unter der auch die Wirtschaft leidet. Allein in diesem Jahr sind etwa 17 300 Ausbildungsstellen frei geblieben. Demgegenüber haben 9 600 Bewerber keine Stelle gefunden. Gut qualifizierte Kräfte fehlen vor allem in Berufen mit den Schwerpunkten Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik: "Von vielen Jugendlichen werden sie gemieden", sagt Ernst Baumann, Vorsitzender der BuAG, "oft, weil Kenntnisse über die Zukunftsperspektiven fehlen."

Dabei ist die wirtschaftliche Bildung inzwischen in die Lehrpläne der Länder integriert. Die Kultusministerkonferenz sieht vor, dass Schüler aller Schulformen im Unterricht Wirtschaftswissen vermittelt bekommen und spätestens in der Jahrgangsstufe 9 ein Praktikum absolvieren: "Die Länder haben die Standards unterschiedlich umgesetzt", sagt Thomas Schenk, Referent im Kultusministerium Baden-Württemberg, der auch am Leitfaden mitgewirkt hat.

Zahlreiche Maßnahmen gibt es an Schulen bereits, sie reichen von Schülerfirmen über Betriebspraktika bis hin zu Patenschaften mit Managern. Oft fehlt es allerdings an einer systematischen Ausrichtung: An vielen Schulen kümmert sich nur ein Lehrer um die Berufsorientierung, eine langfristige Planung gibt es nicht. Mit dem Leitfaden sollen Schulen deshalb ermuntert werden, das Thema stärker in den Fokus zu rücken.

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