Beschwerdebrief an die Oberfinanzdirektion
Wirtschaftsprüfer laufen Sturm

Anfang des Jahres suchte Ernst & Young Verbündete. Die Wirtschaftsprüfungsfirma knüpfte Kontakt zur Konkurrenz, weil sie die Sorge umtrieb, dass der Branche der Nachwuchs ausgehen könnte. Das Ergebnis: Fünf Gesellschaften schrieben gemeinsam einen Brief an die Oberfinanzdirektion, die die Aufgaben für die Prüfungen des Steuerberater-Nachwuchses zusammenstellt.

Alle hatten ein gemeinsames Problem. „Viele unserer Konkurrenten sorgten sich schon genau so wie wir über die hohe Durchfallquote“, berichtet Wolfgang Apel von Ernst & Young in Berlin.

In dem Brandbrief beklagten sich die fünf über „eine massive Überforderung der Kandidaten“. Die Aufgaben seien in der vorgegebenen Zeit nicht einmal annähernd vollständig zu bearbeiten. Zudem werde schwieriges Spezialwissen abgefragt. „Selbst sehr gute Mitarbeiter unserer Unternehmen kamen in der schriftlichen Prüfung kaum über einen Notendurchschnitt von 4,5 hinaus“, erregten sich die Autoren.

Der Hintergrund: Die Durchfallquote bei den jüngsten Steuerberaterprüfungen hat fast Rekordwerte erreicht. 59 Prozent scheiterten im Bundesdurchschnitt im abgelaufenen Prüfungsjahr an dem Test, der die Voraussetzung zur Arbeit als Steuerberater ist.

Die Quote der gescheiterten Prüflinge ist traditionell sehr hoch. Vor zwei Jahren etwa scheiterten mit knapp 40 Prozent vergleichsweise wenige Kandidaten. Im vergangenen Jahr war die Quote aber bereits wieder auf knapp 57 Prozent gestiegen, belegen Zahlen der Bundessteuerberaterkammer.

Besonders hart traf der jüngste Anstieg der Durchfallquote die Steuerberater-Anwärter in Berlin. Hier betrug die Durchfallquote knapp 80 Prozent. Mehr Glück hatten die Prüflinge dagegen in Nordrhein-Westfalen, wo nur knapp die Hälfte keinen Erfolg hatte.

Der hohe Anteil gescheiterter Kandidaten sorgt unter den großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften jetzt zunehmend für Unruhe.

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