Besser als Werbung
Sind Ihre Mitarbeiter stolz auf ihre Firma?

„Der Stolz, für ein tolles Unternehmen tätig zu sein, ist ein wichtiger Antriebsfaktor für Motivation und Produktivität“, bilanziert Professorin Sabrina Helm. Und Arbeitnehmer, die fest zu ihrem Unternehmen stehen und das auch zeigen, sind besser als manche Werbung und Imagekampagne

DÜSSELDORF. Im Juni war Deutschland im WM-Taumel. Die Nachfrage nach Accessoires in Schwarz-Rot-Gold und Adidas-Trikots – die die Stars der deutschen Nationalelf trugen – überstieg alle Erwartungen. Als Oliver Neuville in der Verlängerung endlich das erlösende 1:0 gegen Polen schoss, sprangen Millionen Jubelnde in ganz Deutschland von den Sitzen. Und für einige Mitarbeiter von Adidas in Herzogenaurach stand fest, was sie am nächsten Tag – an Fronleichnam – machen würden: im Call-Center am Telefon und im Lager zwischen den Regalen Dienst tun. „Sollten wir gegen Polen gewinnen, dann war für uns klar: Wir arbeiten auch am Feiertag, damit unsere Händler schneller an die Trikots kommen“, erzählt Hans Ruprecht, Vertriebsdirektor bei Adidas. Obwohl draußen schönstes Wetter war, murrte keiner. „Alle hatten Spaß am Extraeinsatz, weil sie begeistert waren, Teil des Adidas-Teams zu sein“, so Ruprecht.

„Der Stolz, für ein tolles Unternehmen tätig zu sein, ist ein wichtiger Antriebsfaktor für Motivation und Produktivität“, bilanziert Sabrina Helm, Professorin für strategisches Marketing an der Universität Witten/Herdecke. Sie befragte während eines Auslandsforschungsjahres an der Thunderbird Garvin School of International Management in Arizona 439 Mitarbeiter, die für die 43 angesehensten Arbeitgeber der USA wie General Electric, Southwest Airlines oder Starbucks arbeiten. Das Ergebnis: Über 80 Prozent der Befragten waren sehr zufrieden mit ihrer Jobsituation. Viele sagten, dass sie sich für das Wohl ihrer Firma sogar ganz besonders ins Zeug legen. Der Stolz, für ein angesehenes und begehrtes Unternehmen tätig zu sein, kann sogar Nachteile wie eine durchschnittliche Bezahlung wettmachen.

Aber noch ein wichtiges Ergebnis ergab die Untersuchung: „Mitarbeiter, die stolz auf ihre Firma sind, tragen das nach außen. Sie wirken wie eine Art Botschafter des guten Rufs und tragen so wesentlich zum Positivimage eines Unternehmens bei“, resümiert Helm. Beispiel Adidas: „Wer in Herzogenaurach lebt, begegnet oft unseren Mitarbeitern und sieht, wie sie sich auch nach Dienstschluss für die Firma engagieren, indem sie zum Beispiel ihre Begeisterung in Sportvereine tragen. Sie leben die Marke“, urteilt Personalchef Mathias Malessa.

Auch den Angestellten von Porsche steht die Begeisterung deutlich ins Gesicht geschrieben. „Unsere Mitarbeiter sind extrem motiviert und sind bestrebt, das Unternehmen durch ihre Leistung weiter voranzubringen“, so Martin Meyer, Leiter Personalmarketing. Die Fluktuationsrate liegt gerade mal bei 2,2 Prozent, und im Schnitt bleiben die Angestellten 15 Jahre Porsche treu. Helm: „Manager sollten sich bewusst machen, dass Mitarbeiter die wertvollste und glaubwürdigste Quelle sind, um Informationen über das Unternehmen in verschiedene soziale Gruppen zu tragen. Ja, dass sie viel mehr erreichen können als Werbung oder PR-Kampagnen.“ Aber dieses Wissen wird oft verdrängt und damit eine große Chance vertan. Gerade Firmen, die keine Kultprodukte wie Adidas oder Porsche produzieren, sollten alles daransetzen, Stolz für die Firma zu wecken. „Allein schon, um im Krieg um Talente zu bestehen“, so Helm. „Denn nur Angestellte, die stolz auf ihre Firma sind, locken wiederum andere gute Mitarbeiter an.“

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