Betriebsferien, Kurzarbeit oder Kürzung von Sonderleistungen als Alternativen
Kosten senken ohne Kündigung

Krisenzeit ist Kündigungszeit - die Gleichung scheint in deutschen Unternehmen schon fast ein Automatismus zu sein. Doch Arbeitsrechtsexperten warnen mittlerweile: Es gibt Alternativen, Kosten lassen sich auch ohne Entlassungen senken - und das kann langfristig sogar die bessere Alternative sein.

KASSEL. Barbara Bittmann, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Partnerin der Kanzlei CMS Hasche Sigle in Düsseldorf, sagt: Wer nicht die Möglichkeit von Betriebsferien, Kurzarbeit oder die Kürzung von Sonderleistungen in Betracht zieht, handelt fahrlässig.

Wenn die Auftragsbücher leer sind oder es mit der Zahlungsmoral der Kunden hapert, müssen die Arbeitnehmer zittern. Das weiß auch Anwältin Afsaneh Sahavi. Doch die Lösung liege nur vordergründig im Ausspruch von Entlassungen, warnt die Arbeitsrechtsexpertin der deutsch-dänischen Sozietät Dahl in Köln. "Langfristig können solche Entlassungen dem betroffenen Unternehmen möglicherweise mehr schaden als nutzen". Denn bis sich Kündigungen auf die Liquidität niederschlagen, so Sahavi, habe sich die Auftragslage vielleicht schon wieder gebessert. Notwendige Neueinstellungen seien dann aber teuer, weil die neuen naturgemäß längst nicht so produktiv arbeiteten wie die eingespielten Mitarbeiter.

Als Alternative kann das Unternehmen bei einer vorübergehenden Unterauslastung zum Beispiel seine Urlaubsplanung gezielt einsetzen, um die flaue Zeit zu überbrücken. Das könne bis zur Anordnung von Betriebsferien gehen, erklärt Sahavi. Auch Kurzarbeit kann dazu beitragen, die Stammbelegschaft zu halten.

Allerdings sei dies "an enge gesetzliche Auflagen geknüpft". So gebe es Kurzarbeitergeld nur bei einem Arbeitsausfall aus wirtschaftlichen Gründen. Dieser müsse erheblich, dürfe aber andererseits nur vorübergehend sein. Weitere Voraussetzung ist laut Sahavi, dass der Arbeitgeber durch Tarif- oder Betriebsvereinbarung zur Einführung der Kurzarbeit berechtigt ist. Wenn nicht, müssten die Arbeitnehmer zustimmen.

Bei dauerhaften Problemen reichen diese Lösungen allerdings nicht aus. Doch auch dann, so die Anwältinnen, lohne es sich, über Alternativen zur Kündigung nachzudenken. "Aktuellstes Thema ist die Einstellung oder Kürzung von Sonderleistungen", weiß Bittmann. Die Palette reiche vom Weihnachtsgeld bis zum Abo für das Fitnessstudio. Einseitig widerrufen könne der Arbeitgeber solche Leistungen aber nur, wenn er sie unter Vorbehalt oder ausdrücklich freiwillig gezahlt hat.

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