Bildung
Die Krise erreicht die Stiftungen

Alle reden von der Krise – doch bei vielen Bildungsstiftungen herrscht zurzeit noch eine bemerkenswerte Gelassenheit vor, ist doch in diesem Jahr die Finanzierung vieler Projekte gesichert. Doch angesichts turbulenter Zeiten gewinnen gerade für kleine Stiftungen Kooperationen immer mehr an Bedeutung.

DÜSSELDORF. „Wir sind bis heute ohne Schaden davongekommen“, sagt Ekkehard Winter, Geschäftsführer der Deutschen Telekom Stiftung. Die Finanzierung der laufenden Projekte sei gesichert. Kürzlich wurde der Vermögenstopf sogar noch von 100 Mio. Euro auf 150 Mio. Euro erhöht.

Zusammen mit der schon vor der Krise verfolgten Strategie, vor allem in festverzinsliche Anlagen zu investieren, sei damit eine gute Basis für die Zukunft gelegt. Doch Ekkehard Winter weiß auch: „Wenn sich die Finanzmärkte nicht erholen, wird das alle Stiftungen mehr oder weniger stark betreffen.“ Schließlich sieht die Situation bei anderen nicht ganz so rosig aus. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, der rund 440 Stiftungen verwaltet, geht davon aus, dass die deutschen Stiftungen Vermögensverluste verkraften müssen, die in den zweistelligen Prozentbereich gehen können: „Bei unseren Stiftungen liegen sie allerdings bei maximal minus sechs Prozent“, sagt Ambros Schindler, Mitglied der Geschäftsleitung.

Teilweise werden die Vermögensverluste der Stiftungen durch wohlhabende Mäzene aufgefangen. Zudem sind die Stiftungen je nach Anlagestrategie von den Turbulenzen auf dem Finanzmarkt unterschiedlich betroffen. Weil ihr Ziel nicht darin besteht, möglichst hohe Renditen einzufahren, sondern die Substanz des Vermögens zu erhalten, entscheiden sich viele für sichere Finanzierungen. Doch auch durch langfristige Renten oder Unternehmensanleihen sind zahlreiche Verluste entstanden.

Die Hertie-Stiftung ist eine der wenigen, die bereits jetzt offen über ihre Einbußen spricht. Insgesamt verfügt sie über rund 800 Mio. Euro. „Wir mussten 2008 durch Vermögensumschichtungen Kursverluste von 15,4 Mio. Euro hinnehmen“, sagt Holger Benke, Geschäftsführer für Administration und Verwaltung. Die Gesamterträge sind gegenüber 2007 um 32,4 Mio. Euro auf 11,1 Mio. gesunken. Insgesamt lagen die Leistungen aus Vermögensanlagen nach Angaben der Stiftung bei minus 9,2 Prozent. „Die Kursentwicklung hat uns das Ergebnis verhagelt“, sagt Benke. „Das ist nicht hochdramatisch und auch eine Situation, die sich wieder beruhigen wird. Allerdings bedeutet das schon, dass wir bei neuen Projekten zurückhaltender sein werden.“

Für die vielen Bildungsprojekte der Stiftungen könnte sich die Krise dann doch negativ auswirken. Dabei ist gerade deren Engagement für den Bildungsbereich essenziell. Sie fördern Projekte, bei denen die Politik an ihre Grenzen stößt. Offiziell haben sich zwar nur 15 Prozent der rund 16 500 Stiftungen in Deutschland auf den Bereich Bildung spezialisiert. Aber auch bei vielen anderen Stiftungen machen Bildungsprojekte einen bedeutenden Anteil der Förderlinien aus.

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