Bildung
Wirtschaft fördert Dialog zwischen Eltern und Lehrern

Schulen, Wissenschaft und Verwaltung suchen nach neuen Wegen, um die Chancen schwächerer Schüler auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Ein entscheidendes Kriterium sind dabei die Eltern. Denn diese bestimmen die Bildungsbiografie der Kinder zu großen Teilen mit.
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DÜSSELDORF. In Deutschland besuchen 17 Prozent aller Schüler einen Schultyp unterhalb ihres eigentlichen Leistungsniveaus, ermittelte kürzlich das Berliner Wissenschaftszentrum für Sozialforschung (WZB). Dabei ist dieses Ergebnis vor allem ein Problem für Kinder aus Arbeiterhaushalten oder Familien mit Migrationshintergrund. So hat Professor Hartmut Ditton, Bildungsforscher an der LMU München, herausgefunden, dass sich etwa in Bayern 36,5 Prozent der Eltern aus der unteren Schicht entgegen einer gymnasialen Empfehlung der Grundschullehrer für die Real- oder Hauptschule entscheiden, in Akademikerhaushalten sind es nur 8,8 Prozent. "Soziale Ungleichheiten beim Bildungserfolg haben nicht nur etwas mit den schulischen Leistungen der Kinder zu tun, sondern auch mit Unterschieden im Entscheidungsverhalten der Eltern an wichtigen Schnittstellen der Bildungsbiografie", bestätigt Volker Stocké, Soziologieprofessor an der Universität Bamberg.

Vertrauensbasis zwischen Eltern und Schule ist wichtig

Speziell der Bildungsentscheidung, die Eltern und Lehrer für den Nachwuchs beim Übergang von Grundschule zur Sekundarstufe I treffen, hat sich die Vodafone Stiftung in ihrem Programm "Vodafone Talente" gewidmet. Als Auftakt für eine Reihe von Maßnahmen hat sie jetzt Praktiker, Wissenschaftler und Vertreter der Schulverwaltung in einer dreitägigen Klausur an einen Tisch geholt, um praxistaugliche Ansätze für eine Verbesserung des Dialogs zwischen Eltern und Schule zu entwickeln. "Unsere Gesellschaft wird zwangsläufig ungleicher. Um so wichtiger wird es, glaubhafte Aufstiegschancen zu schaffen", sagt Mark Speich, Leiter der Vodafone-Stiftung.

Zu dem Innovationstreffen in Königswinter waren rund 30 Experten angereist. Neben dem Dialog zwischen Eltern und Schule widmeten sie sich den bestehenden Informationsmaterialien für bildungsferne Eltern und der Frage, wie Grundschullehrer bei ihrer Schulempfehlung stärker für das Problem sozialer Herkunftsunterschiede sensibilisiert werden können. Für Erhard Storoschenko, Rektor der Goetheschule in Offenbach am Main, hängen alle Aspekte unmittelbar miteinander zusammen: "Es kommt wesentlich darauf an, dass eine Vertrauensbasis zwischen Eltern und Schule aufgebaut wird." Beide müssten lernen, mit gegenseitigem Respekt über die bestmögliche schulische Laufbahn des Kindes zu beraten.

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