Bisher müssen nur Spezialisten Nachweise erbringen
Kammern wollen Anwälte zu Fortbildung zwingen

Anwälte in Deutschland sollen sich künftig fortbilden müssen. Das wollen die 28 regionalen Rechtsanwaltskammern sowie die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) durchsetzen.

crz GARMISCH. Nachdem Wettbewerbskommissar Mario Monti die freien Berufe ultimativ zu freiwilligen Deregulierungsmaßnahmen bis Ende des Jahres aufgefordert und die Bundesregierung zudem eine Reform des Rechtsberatungsgesetzes angekündigt hat, haben die Führungsspitzen der Kammern jetzt auf einer Konferenz in Koblenz beschlossen, Maßnahmen zur Qualitätssteigerung zu ergreifen. Wichtigster Punkt: eine verpflichtende Fortbildung für die knapp 127 000 Anwälte. "Die Anwälte haben sich bisher zu viel mit sich selbst statt mit ihren Mandanten befasst", sagte der Vizepräsident der BRAK Ulrich Scharf dem Handelsblatt und kündigt an: "Wir werden anders an die Dinge heran gehen als bisher."

Bei der Analyse der rasanten politischen Entwicklung, die während der letzten ein, zwei Jahre auf die deutschen Anwälte eingestürzt ist, hat sich bei deren Vertretern die Überzeugung durchgesetzt, dass der Status als freier Beruf nur zu halten ist, wenn die Qualität der Rechtsberatung glaubhaft gesteigert und dauerhaft gehalten werden kann. Bisher allerdings sieht die Berufsordnung einen Fortbildungsnachweis nur für Fachanwälte vor, deren Zahl wegen des nach wie vor ungebremsten Spezialisierungstrends im Laufe des Jahres auf über 20 000 ansteigen dürfte. Die BRAK will deshalb der berufsständischen Satzungsversammlung empfehlen, die Weiterbildungspflicht auf alle Anwälte auszudehnen. Da es sich hierbei um eine statusbildende Berufsregel handelt, müsste zunächst der Gesetzgeber die Bundesrechtsanwaltsordnung entsprechend ändern. Die inhaltliche Ausgestaltung der Fortbildung obläge dann den Rechtsanwaltskammern.

Fortbildung macht allerdings nur Sinn, wenn sie auch überprüft wird. "Augenwischerei ist sicherlich nicht die Lösung. Künftig wird es nicht mehr ausreichen, hin und wieder einmal ein Buch zu lesen", mahnt Scharf. "Wir denken an ein Punktesystem. Fortbildungskurse mit abschließenden Klausuren haben darin einen deutlich höheren Stellenwert", so der BRAK-Vize. Außerdem müssten Rechtsanwälte, die die erforderliche Punktzahl nicht erreichen, künftig mit Sanktionen rechnen - bis hin zum Zulassungsentzug.

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