Böse Überraschung
Führerlose Business Schools

Bei den europäischen Top-Business Schools rumort es. IMD in Lausanne, Insead in Fontainebleau und die London Business School haben ein Führungsproblem. Was heißt das nun für die anderen Wirtschaftsschulen?

Zuletzt war es der heißeste Trend unter den führenden Business Schools in Europa: Fast zugleich ernannten die drei europäischen Business Schools IMD (Lausanne), Insead (Fontainebleau) und London Business School Outsider, die ihre berufliche Karriere in der Wirtschaft und nicht in der Wissenschaft gemacht hatten, zum Dean. Frank Brown, der von der Steuer- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC kam, wurde Chef von Insead, Robin Buchanan, zuvor Senior Partner beim Beratungsunternehmen Bain, rückte an die Spitze der London Business School und John Wells von Pepsi übernahm die Führung von IMD. Damit schien ein neuer Standard gesetzt, dem auch andere Schulen in Europa folgen würden.

Doch dann kam mit den Weihnachtskarten Ende die Überraschung: Nach nur 16 Monaten an der Spitze gab Robin Buchanan die Führung wieder ab; sein Nachfolger Professor Sir Andrew Likierman ist ein waschechter Akademiker. Und zeitgleich wurde bekannt, dass es noch andere Führungsprobleme an der London Business School gegeben hat: Eine größere Zahl von Mitarbeitern hat die Schule bereits verlassen, und einige der bekanntesten Professoren drohten damit, es zu tun.

Was heißt das nun für die anderen Business Schools? Man könnte die Hypothese wagen, dass die Zeit von IMD, Insead und London Business School als unangefochtenes europäisches Spitzentrio zu Ende geht.

Vergessen werden sollte dabei aber nicht, dass die Drei vor nicht so langer Zeit selbst mit allen Mitteln versucht haben, zu den US-amerikanischen Business Schools aufzuschließen, und dass auch ihre Nachfolgepolitik Teil dieser Versuche war. Nun aber hat die London Business School durch die Finanzkrise Probleme, Jobs für ihre Absolventen zu finden. IMD verdient das meiste Geld mit Managerfortbildungsprogrammen, wird nun aber unter den Einsparungen der Unternehmen leiden. Und Insead muss noch immer mit den Kosten der Singapur-Expansion fertig werden.

Andere holen auf: die Judge Business School der Universität Cambridge, HEC Paris und die beiden spanischen Business Schools Esade und Instituto de Empresa. Sie stehen alle unter einer akademischen Führung. Die Partnerschaft von HEC und Apple setzt neue Standards für den Technologieeinsatz an Business Schools. Cambridge spielt 800 Jahre akademischer Reputation und die Lage im britischen Startup-Zentrum aus. Und Esade ist mit dabei, das Thema Corporate Governance in Europa wesentlich mitzubestimmen. Es sieht also gar nicht so schlecht aus für die „alten Akademiker“.

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