„Boreout-Syndrom“
Unerträgliche Langeweile

Zu viel Stress macht krank, sinnloses Rumsitzen im Büro kann aber auch aufs Gemüt schlagen. Mehr als jeder zehnte Beschäftigte leidet nach Ansicht der Schweizer Unternehmensberater Philippe Rothlin und Peter Werder unter Langeweile am Arbeitsplatz. Und dieses „Boreout-Syndrom“ (englisch bore für langweilen) hinterlässt ebenfalls Spuren.

HB FRANKFURT. Die Boreourt-Betroffen leiden unter Müdigkeit, Gereiztheit und Lustlosigkeit. Die Zahl der Betroffenen sei wesentlich höher als die der Stresskrankheit „Burnout“, sagten die Autoren am Donnerstag bei der Vorstellung ihres Buches „Diagnose Borneout“ auf der Frankfurter Buchmesse. Durch diese Phänomen entstehe der Volkswirtschaft zudem ein Schaden in Milliardenhöhe. Allein für den Dienstleistungssektor in Deutschland errechneten sie eine Summe von jährlich 180 Milliarden Euro.

Die Langeweile stellt sich nach Einschätzung des studierten Philosophen Werder und des Betriebswirts Rothlin schleichend ein. Zu Beginn versuchten die Beschäftigten, sich am Arbeitsplatz „einen schönen Lenz“ zu machen und die Zeit für private Erledigungen zu nutzen.

„Doch irgendwann sind alle Reisen gebucht und alle Gespräche geführt – und dann wird die Zeit bis zum Feierabend immer länger“, sagte Rothlin. „Momente der Langeweile sind ungleich schwerer zu ertragen als Stress.“ Zudem müssten sich die Betroffenen eingestehen, dass sie den ganzen Tag über nichts Sinnvolles vollbracht haben. Ihre einzige Anstrengung bestehe darin, „ständig so zu tun, als ob etwas zu tun ist“.

Die Betroffenen sind für die Autoren jedoch nicht faul. „Sie werden faul gemacht“, sagte Werder. Im Grunde suchten alle Menschen eine sinnerfüllte Arbeit. Dies sei auch einer der Wege aus dem Boreout. Die Mitarbeiter sollten eine Beschäftigung anstreben, die ihnen Spaß macht. Gefordert sind aber für Rothlin auch die Führungskräfte. Sie müssten dafür sorgen, dass ihre Untergebenen ausgelastet sind.

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