Breiteres Themenspektrum als in der Forschung
Warum eine Londoner Kanzlei Biologen braucht

Lovells beschäftigt Wissenschaftler wie Biologen, Genetiker und Chemiker, um vor Gericht die Nase vorn zu haben. Der größte Fall waren Klagen wegen Unverträglichkeit eines Impfstoffes.

LONDON. Ganz durch Zufall bin ich in die Juristerei geraten“, erzählt Rachel Gribben. Die promovierte Biologin wollte aus der akademischen Welt in die Privatwirtschaft wechseln. Da las sie eine Stellenanzeige der Top-Kanzlei Lovells, die ihr Wissenschaftsteam verstärken wollte. Nun ist sie Exotin in der Welt des Rechts und fühlt sich sehr wohl dabei. „Meine Ex-Kollegen haben gestaunt“, erinnert sie sich an den Wechsel vor fünf Jahren, „die finden meinen neuen Job glamourös.“ Doch ihr Alltag besteht aus akribischer Detailarbeit – gar nicht so viel anders als an der Uni.

Ein Fall beschäftigt sie von Anfang an: Lovells verteidigt einen Pharmakonzern gegen Kläger, die behaupten, ihre Kinder hätten durch die kombinierte Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln Gesundheitsschäden von Magen-Darm-Beschwerden bis zum Autismus erlitten. Ein Produkthaftungsfall, der besonders in Großbritannien nach einer kritischen Studie eines Londoner Arztes viel öffentliches Aufsehen erregte und wegen der Vielzahl behaupteter Folgeschäden besonders komplex ist.

„Unsere erste Aufgabe war es, gute Experten für die verschiedenen medizinischen Bereiche zu finden“, erzählt Gribben. Dazu durchkämmten sie und ihre drei Kollegen des Wissenschaftsteams – ein Chemiker, ein Genetiker, eine Pyhsiologin – die medizinischen Fachpublikationen und Institute und stellten eine Liste mit Kandidaten für jeden Fachbereich auf. Zusammen mit den Anwälten, die den Fall bearbeiten, filterten sie dann in Gesprächen 30 Experten für den Prozess heraus. Die Lovells-Wissenschaftler halfen den externen Experten mit Recherchen und der Vorbereitung auf Auftritte im Gerichtssaal. Inzwischen haben die Impfstoff-Kläger bis auf wenige Einzelkämpfer aufgegeben, weil sich Prozessfinanzierer wegen mangelnder Erfolgschancen zurückzogen. Die Mehrheit der Forscher hält die Impfungen für ungefährlich.

„Einer der großen Vorteile, Wissenschaftler im Haus zu haben, ist, dass man viel bessere externe Experten findet“, betont Caroline Moore, Anwältin bei Lovells. Sie zieht nach neun Jahren eine rundum positive Bilanz der „Science Unit“. Auch im Alltagsgeschäft abseits komplexer Fälle sei sie eine lohnende Investition. Die Wissenschaftler stünden für kurzfristige Anfragen zur Verfügung und hälfen bei der Beurteilung von Unternehmenswerten.

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