Bürogestaltung
Rhythmus der Sonne

Ein ordentlicher Schallschutz, das richtige Licht und einen Schreibtisch für zwei Personen: Moderne Bürokonzepte machen den Arbeitsalltag effektiver. Und die Temperatur muss stimmen - beim richtigen Wert arbeiten Beschäftigte schneller und machen weniger Fehler.

Rund eine halbe Stunde brauchte die Kundin des Londoner Reisebüros, bis sie ihren Urlaub gebucht hatte. Sie beantwortete Fragen, blätterte in Broschüren - und starrte stets auf die Rückwand eines Computerbildschirms. Unklar blieb, warum der Reisekaufmann diese Flugroute und jenes Hotelzimmer ausgewählt hatte. "Dabei hätte schon eine kleine Änderung der Schreibtischsituation das Gespräch beschleunigt und der Kundin das Gefühl vermittelt, dass sie das beste Angebot ausgewählt hat", so das Forschungsergebnis von John Halloran und Yvonne Rogers, zwei Wissenschaftlern der Universität Sussex.

Sechs Monate beobachteten sie die Mitarbeiter und Kunden der Londoner Reiseagentur. Dabei testeten sie, was passiert, wenn beide auf einer Seite des Schreibtisches sitzen, gemeinsam auf den Bildschirm schauen und Buchungsvorgänge zusammen abwickeln. Das Ergebnis: Statt 30 dauerten die Verkaufsgespräche im Schnitt nur fünf bis zehn Minuten, die Kunden konnten die Reisepläne und Kosten schneller erfassen und das Erlebnis, mit dem Berater aktiv zusammengearbeitet zu haben, gab ihnen ein gutes Gefühl.

Meister und Lehrling, Vater und Sohn, erfahrener Praktiker und Nachwuchskraft - wenn Menschen paarweise zusammenarbeiten, sind sie besonders leistungsfähig und innovativ. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts stellte der Schweizer Soziologe Georg Simmel fest, dass zwei Menschen ihre Gedanken und Ideen offener und informeller austauschen, als dies in Gruppen möglich ist. Jetzt greifen auch Büromöbelhersteller diese Erkenntnis auf. Sie entwickeln Schreibtische und Büroumgebungen für Zweierteams, mit deren Hilfe diese ihre volle Kreativität entfalten sollen.

Vorbei scheint die Zeit, in der es nur zwei Typen von Schreibtischen gab: das Ein-Personen-Modell und die Konferenzversion für den Austausch mit Kollegen. "Die Art und Weise, wie ein Arbeitsplatz den permanenten Wechsel zwischen Konzentration und Zusammenarbeit unterstützt, hat erheblichen Einfluss auf die Leistung der Mitarbeiter", meint Stefan von Terzi, Marketingleiter beim Büromöbelhersteller Steelcase. An so genannten E-Tables etwa, in deren Tischplatte großflächige Computerbildschirme integriert sind, sollen dynamische Duos künftig gemeinsam am PC arbeiten, ohne dass einer das Gefühl hat, am Katzentisch zu sitzen.

Die Unterstützung der Paararbeit ist nur eine von vielen Innovationen, die die Arbeit im Büro verbessern sollen. Es hat sich herumgesprochen, dass die Ausstattung des Arbeitsplatzes nicht nur ein Kosten-, sondern auch ein Produktivitätsfaktor ist. Und so wird rund um die Büroarbeit geforscht, was das Zeug hält. "Wir wissen heute deutlich mehr darüber, wie sich die Raumgestaltung, das Mobiliar, der Lärmschutz, die Beleuchtung und die Kommunikationstechnik auf die Leistungsfähigkeit auswirken", sagt Professor Stephan Zinser, Professor für Organisationslehre und Innovationsmanagement an der Fachhochschule Heidelberg und Leiter des Instituts für Arbeitsforschung und Organisationsberatung (iafob) in Nürtingen. "Wir können sogar im Einzelfall empirisch nachweisen, dass zum Beispiel offene Bürolandschaften, den Informationsfluss und damit die Produktivität erheblich steigern."

Grund genug für die WirtschaftsWoche, gemeinsam mit der Koelnmesse, Veranstalter der Fachmesse Orgatec, und dem iafob zum zweiten Mal den Wettbewerb "Best Office" auszuschreiben (siehe Kasten). "Die Informationstechnik und die steigende Komplexität der Aufgaben haben für eine enorme Leistungsverdichtung in den Büros gesorgt", sagt Jochen Witt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Koelnmesse. "Umso wichtiger ist es, die Büros so auszurüsten und zu gestalten, dass die Menschen sich trotz der höheren Anforderungen wohl fühlen können."

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