Buisness Behaviour
Nur nicht die Beherrschung verlieren

Sozialverhalten ist Glückssache? Anscheinend, und Pech ist es, wenn "Businessman" dabei beobachtet wird, wie er überheblich ist zu anderen - in Gegenwart seiner Geschäftspartner. Insbesondere bei Geschäftstreffen mit Chinesen ist so ein Verhalten der gröbste Schnitzer, der einem überhaupt unterlaufen kann.

Etwa wie er einen Oberkellner herunterputzt, bei dem an diesem Abend einfach alles schief geht. "Ach, bekommen wir heute auch noch etwas zu essen hier?" oder "Ihnen kann man auch beim Gehen die Schuhe besohlen", spottete ein Gastgeber fast zynisch. Dabei war derselbe Mann gegenüber seinen Gästen alert, gewandt, fast perfekt. Doch alles, was am Ende bei denen hängen blieb, war sein Danebenbenehmen gegenüber dem Personal. Dass er eloquent war, fachlich beschlagen und die Gespräche mit ihm interessant waren, wurde plötzlich unwichtig. Denn er hatte sein Gesicht verloren.

Insbesondere bei Geschäftstreffen mit Chinesen ist so ein Verhalten der gröbste Schnitzer, der einem überhaupt unterlaufen kann. Denn nicht nur, dass sich in Stress-Situationen erst erweist, ob jemand Anstand und Benimm hat, ob er sich beherrschen kann und diszipliniert ist. Dem Chef die Schokoladenseite zeigen, ist das eine. Das beherrscht jeder. Aber sich auch quer durch die Hierarchie und am Servicepersonal nicht auszulassen, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert - das ist die Kunst, die auch Freiherr von Knigge einforderte, als er vom Umgang mit den Menschen schrieb.

Bob Kimmit ist so jemand, der dies einmal in größerer Gesellschaft eindrucksvoll bewies. Er war seinerzeit noch im Aufsichtsrat von Mannesmann, heute ist er stellvertretender Finanzminister der USA. Bei einem Essen kippte ein junger Kellner Kimmit aus Versehen eine Karaffe Rotwein über seinen Anzug und das Hemd. Ich kann mir viele vorstellen, denen die Gesichtszüge entglitten wären und die die Fassung verloren hätten - nicht so Kimmit. Er legte dem armen Tropf zur Beruhigung die Hand auf den Arm und sagte, dass ihm so etwas Ähnliches auch schon passiert sei. Damals, als er sich sein Studium mit Kellnern verdiente. Allen anderen Gästen imponierte dieses souveräne Verhalten sehr. Und ich meine, von jeder Führungskraft kann man heute so viel Gelassenheit und respektvolles Verhalten erwarten.

Und - woran kann man am besten einen Menschen erkennen? Daran, wie er sich verhält, wenn er Macht bekommt. Wie sich jemand benimmt, wenn er glaubt, es komme gerade nicht so darauf an. Wenn er Abhängige ebenso respektvoll behandelt wie seine Vorgesetzten. Freiherr von Knigge forderte sogar dies: Auch wer als Junggeselle alleine am Tisch sitzt, solle sich so benehmen, als sei er in Gesellschaft.

Gabriele Schlegel ist Dozentin für Business Behaviour an der FH Bonn-Rhein-Sieg.

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