Business Behaviour
Ach, beurteilen Sie sich doch einfach selbst

Viele Chefs lassen ihre Mitarbeiter ihr Zeugnis selber schreiben. Damit sparen sie sich das lästige, lange Feilen an Worten, das Suchen nach dem Eintrittsdatum in die Firma und und und.

Wissen Sie was, schreiben Sie sich doch Ihr Zeugnis eben selbst, Herr Dünnleder", sagte der Abteilungsleiter seinem Sachbearbeiter in fast fürsorglichem Ton. Fürsorglich? Nicht unbedingt, um nicht zu sagen: ganz und gar nicht. Der Mann hatte ganz anderes im Sinn als Fürsorge. Und zwar wollte er es sich zum einen leicht machen. Ersparte er sich so doch das lästige, lange Feilen an Worten, das Suchen nach dem Eintrittsdatum in die Firma und und und. Zum anderen aber wollte er, was schon wieder verständlich ist, spätere juristische Auseinandersetzungen vermeiden. Für den Fall, dass der Ex-Kollege unglücklich sein sollte über ein "stets zur vollen Zufriedenheit" statt einem "stets zur vollsten Zufriedenheit". Über solche Formulierungen in Zeugnissen mussten schon Gerichte entscheiden. Das, obwohl Zeugnisse durch derlei Codes ohnehin schon fast bedeutungslos geworden sind, weil sie nicht mehr aussagefähig sind.

Doch hin wie her: Stilmäßig ist es einfach unglücklich, einem Mitarbeiter diese letzte Ehre nicht selbst zu erweisen. Fast jeder - ob berechtigt oder nicht - geht davon aus, dass er seiner Firma und seinem Chef viel gegeben hat. Und zwar mehr als er musste, und darauf ist er stolz. Wie soll er sich nun fühlen, wenn er seine Bewertung, die ja auch immer eine Art Danksagung ist, selbst schreiben soll?

Mit diesem Satz nämlich kommt so viel mehr zum Ausdruck als dem Vorgesetzten manchmal klar ist. Und eins nimmt sich der Ex-Chef ja auch selbst: die Möglichkeit, sich dem Ex-Kollegen auf ewig in Erinnerung zu bringen. Etwa, indem er ihm positive Charakterzüge bescheinigt oder sich noch an besondere Einsätze erinnert, die für die Firma nützlich waren - die dem Beurteilten selbst aber schon entfallen waren oder die er gar nicht für erwähnenswert gehalten hätte. So habe ich einen Manager erlebt, der einem Mitarbeiter, der durchaus belastbar sein musste für seinen Job, Folgendes ins Zeugnis schrieb: Der Betreffende behielt nicht nur einen ruhigen Kopf, sondern bewies dann sogar noch Humor. Und das ganze Zeugnis war so abgefasst, dass jeder Lesende bemerken musste, es sollte keineswegs doppeldeutig oder spöttisch sein. Einfach nett war es gemeint.

Ich empfehle, dass Vorgesetzte, die auf Nummer sicher gehen wollen, mit dem Mitarbeiter zuerst besprechen, was sie ihm attestieren wollen.

In den USA und in China ist ohnehin kein Zeugnis entscheidend, sondern Referenzen. In beiden Kulturen ist der Leumund wichtiger als Noten und standardisierte Zeugnisse. In Asien zählt das Ranking der Schule oder Universität besonders. Bei englischsprachigen Zeugnissen ist es wichtig, dass diese Geschäftssprache emotionaler ist als unsere. Begriffe wie honor, impressive oder outstanding sollten vorkommen.

Darf ich in Meetings mein Gegenüber unterbrechen? Wen muss ich im Mailverkehr auf "cc" setzen, wenn ich ein neues Projekt angehe? Unsere Business-Behaviour-Expertin Gabriele Schlegel antwortet auf Ihre ganz persönlichen Fragen und gibt Tipps - schreiben Sie ihr:  hb.behaviour@vhb.de.

Die Fragen und Antworten sind nachzulesen unter  www.handelsblatt.com/behaviour.

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