Business Behaviour
Ach wie gut, dass niemand weiß ...

Es gibt diese Weihnachtskarten, die ihre Adressaten Rätsel raten lassen. Tagelang, bis sie aufgeben und nur noch abwarten, ob mal jemand nach seiner Post fragt. Ob sie auch angekommen ist, und er dabei durchblicken lässt, dass er gerne auch einen Gruß von Ihnen bekommen hätte. Dieser Jemand, den Sie schnöde übergangen haben aus einem banalen Grund: Sie konnten ihn nicht identifizieren.

Die Unterschrift unter der Weihnachtskarte war schlicht unlesbar. Sonst hätten Sie reagiert. Warum machen sich die Leute die Mühe, Karten zu besorgen und zu verschicken, wenn sie sich nicht die paar Sekunden nehmen, um ihren Namen leserlich zu schreiben? Der Effekt ist schließlich gleich null. So kann sich der Krakler gerade nicht in Erinnerung bringen.

Tabu ist - abgesehen von einem Weihnachtsgruß per E-Mail - auf jeden Fall eine gestempelte Unterschrift. Wenn schon nicht mehr drin ist als ein Namenszug unter dem vorgedruckten Gruß, dann bitte wenigstens keinen Stempel. Perfekt ist der Gruß mit Füller, das Signal ist: "Sie sind mir zwei Minuten wert."

Doch das Rätselraten geht weiter: Was tun, wenn Sie etwa Pralinen von einem Konditor per Post bekommen - und nicht die leiseste Ahnung haben, wer der Weihnachtsengel war? Am besten fragen Sie beim Versender nach. Wenn Sie jemanden in Verdacht haben und sich fröhlich bedanken - aber dieser es gar nicht war, haben sie bei höflichen Menschen oft gleich noch ein Problem am Hals: dass sich dieser nun bemüßigt fühlt, Ihnen auch etwas zukommen zu lassen.

Viele stoßen sich bei Weihnachtskarten an diesem - womöglich gut gemeinten - Satz: "Wir verzichten dieses Jahr auf Geschenke und haben uns zu einer Spende für die Opfer der Soundso-Katastrophe entschlossen."

Die Frage ist doch: Wer verzichtet denn hier? Den Verzicht leistet doch der Fast-Beschenkte. Derjenige, der möglicherweise auch eine kleine Geste der Anerkennung verdient hat. Und den Verzicht hat er nicht freiwillig geleistet - was er vielleicht ja getan hätte, wenn man ihn denn gefragt hätte. Hat aber keiner. Firmen, die so vorgehen, signalisieren ganz viel und vor allem Ungutes: Zuerst, dass sie keine Lust haben, die Mühe auf sich zu nehmen, Geschenke auszusuchen und zu verschicken. Sich Gedanken zu machen, was anderen Menschen wohl gefallen könnte. Dann, dass sie eigentlich auch gar nicht Farbe bekennen wollen. Denn nur die wenigsten teilen dem Adressaten die Höhe der Spende mit. Vom Beweis, dass sie tatsächlich gespendet haben, mal ganz zu schweigen. Natürlich schickt kein Unternehmen eine Kopie des Überweisungsträgers oder einen Spendenbeleg für Ihre nächste Steuerklärung mit (den Spendenabzug möchten sie ja selbst machen). Angemessen wäre ein Foto von der Scheckübergabe. Das ließe die Angelegenheit glaubwürdig erscheinen.

Letztlich aber freut sich ja doch jeder über eine Geste - und sei es eine Kleinigkeit. Auch wenn er den Wein, den er selbst nicht trinkt, auch nur dem Kollegen weiterverschenkt.

Business Behaviour

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