Business Behaviour
Alles heißt Waldemar

Ständig war der Mann unterwegs. In aller Welt, in 40 Ländern in all den Standorten der Firma, deren Chef er war. Doch all die verschiedenen Namen, die er sich merken sollte, waren ihm zu viel. All die Büroleiter, die Mitarbeiter und dann auch noch die Kundennamen.

Die Lösung, die er ersann, sah so aus: Er beschloss, alle Mitarbeiter - bis auf den engsten Kreis - nur noch Joe zu nennen: "Joe, machen Sie dies, Joe, können Sie bitte das ..." Joe eben. Immer wieder kam es dann zu der Situation, dass ihm einer entgegnete: "Entschuldigung, ich heiße Steve Miller, nicht Joe" - und das quittierte der Big Boss nur mit einem knappen Satz: "Wenn Sie für mich arbeiten, heißen Sie Joe." Basta. Und es war dem Big Boss bitter ernst mit seiner Unhöflichkeit und Arroganz. Nur eins hatte er nicht bedacht: Er selbst würde das umgekehrt auch nicht mögen, einen Einheitsnamen.

Dieses Benehmen hat etwas von der männlichen Attitüde, alle Frauen Schätzchen zu nennen - allein schon, um die Partnerin nicht aus Versehen mit dem Namen ihrer Vorgängerin anzusprechen. Doch die tun sich mit Gegenwehr bei so einer verbalen Umarmung schwer, die scheinbar ach so freundlich daherkommt. Ähnlich wie Mitarbeiter, die schließlich nicht ihren Job riskieren wollen.

Schon die Ikone Zarah Leander besang solche Angewohnheiten, zog sie aber ins Komische: "Ich nenne alles Waldemar, mein Auto und den Hund; den Vogel, den Chauffeur sogar, die nenn? ich alle Waldemar - und das hat seinen Grund." Und zwar den, dass sie Waldemar liebte. Doch dieses Argument dürfen wir im Berufsleben getrost ausschließen.

Zugegeben, es ist ja auch tatsächlich oft schwierig, wenn man etwa einen Menschen, den man immer nur in einer Firma getroffen hat - und das womöglich in einer anderen Stadt - plötzlich mit seinen Kindern samstags bei H&M trifft. In ganz anderer Umgebung, in Freizeitkluft und zusammen mit der Familie. Das sind schon Herausforderungen.

Doch dann gibt es auch noch die Vergesslichen. Diejenigen, die einfach nicht mehr darauf kommen, woher sie den freundlichen Herrn kennen, der ihnen auf einer Veranstaltung begegnet - und dessen Namen oder Firma ihnen partout nicht einfällt. Die einzige Notlösung ist diese: "Ach, das freut mich aber sehr, Sie hier zu sehen. Ich glaube, ich habe Ihnen beim letzten Mal gar keine Visitenkarte von mir gegeben." Im Regelfall zückt der Gegenüber dann auch seine Visitenkarte - und man ist gerettet. Funktioniert das nicht, warum auch immer, hilft nur die Flucht nach vorne: "Ich erinnere mich noch an unser letztes Treffen, aber ich komme leider nicht mehr auf Ihren Namen ..."

Richtig peinlich wird es, wenn Sie - vielleicht, weil Sie es nicht besser wissen - jemanden mit seinem Spitznamen anreden. Und zwar einem Spitznamen, den er nicht kennt. Dies passierte einer Freundin von mir, die im Zug den Lehrer ihrer Kinder traf. Durchgängig sprach sie jenen mit seinem Spitznamen an. Der Arme machte das Beste daraus, bewahrte Haltung und ließ sich nichts anmerken. Und ersparte der Dame die Verlegenheit.

Business Behaviour

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