Business Behaviour
An der Handy-Leine

Eine Freundin bei einer großen Werbeagentur klagte mir kürzlich ihr Leid: Kaum war sie nach ihrer Beförderung Chefin der Abteilung, wurde sie mit einem Diensthandy ausgestattet. Gut, schön. Doch aus der Freude übers Statussymbol wurde eine Plage. Alle Führungskräfte im Haus rufen sie nun an, wann immer ihnen etwas für sie einfällt. Abends, am Wochenende, im Urlaub. Kunden und Geschäftspartner sowieso. Aber bei denen ist es verzeihlich, die können es nicht wissen, und sie genießen ohnehin Extrarechte. Sie sind wenigstens kurz und freundlich zu bedienen, immer.

Aber was ist mit denjenigen, die Vorgesetzte sind und einfach am längeren Hebel sitzen? Eigentlich geht nur eins: Professionell und ruhig das Nötige beantworten. Jedenfalls, wenn der Anrufer weiß, dass Sie im Urlaub sind. Weiß er es nicht, können Sie - allein schon um zu zeigen, warum Ihnen gerade die Hände gebunden sind - ihm schildern, wo sie sich gerade befinden und was sie tun. Zum Beispiel "Hallo, Herr Schulz, ich bin gerade am Strand auf Ibiza." Oder "Ich stehe in Paris im Kaufhaus Lafayette." Allein schon um die Geräuschkulisse zu erklären. Dem Anrufer wird durch das Schildern dieser Szenerie die Lage schnell deutlich. Sagt man nur, man ist gerade im Bad, verstehen die wenigsten, was eigentlich gemeint ist - und reden weiter.

Umgekehrt ist auch diese Situation unlustig wie häufig: Sie konferieren mit Leuten, die ja ach so stolz sind auf jene vermeintliche Notwendigkeit, immer erreichbar zu sein. Jene, bei denen dies schon zum Tick geworden ist und die als Erstes ihren Blackberry oder ihr Handy vor sich legen. Ganz ungehobelt war ein leitender Angestellter aus meinem Bekanntenkreis: Er packte sein Mobiltelefon sogar beim Spaßbowling aus und forderte zudem noch alle - die beruflich ebenfalls wichtige Funktionen bekleideten - auf, mit darauf zu achten, ob es klingelt. Erst als alle anderen laut loslachten, wurde ihm die Situation gewahr, und er entschuldigte sich. Ganz abgesehen davon, dass man an der langen Handyleine nicht unbedingt wie der große Zampano, sondern im Gegenteil oft eher fremdbestimmt wirkt.

Wer dagegen unfreiwillig zum Passivtelefonierer gemacht wird und damit wertvolle Zeit verliert, sollte unbedingt reagieren. Zumindest, wenn er bemerkt, dass der Handygrobian es nur zu einem Zweck macht - um bei ihm Eindruck zu schinden und seine Unentbehrlichkeit klarzumachen. Passiert so etwas in Asien, ist der Wichtighuber endgültig unten durch - mit teuren Konsequenzen für sein Unternehmen vor allem. Sein Geschäft würde kurz darauf aus unerfindlichen Gründen platzen und der Auftrag an den Mitbewerber gehen. Und seine Firma wird nie den wahren Grund erfahren. Dass sich ihr Manager ungehobelt benommen hat.

Sie als Passivtelefonierer kommen erst zum Zuge, wenn Ihr Gegenüber zweimal in kurzer Zeit Telefonate annimmt - und es weder Notfälle noch seine Kinder sind. Kinder haben ja auch im Job immer Vorfahrt. Dann dürfen Sie vorschlagen, das Treffen zu verschieben. Weil auf Sie auch viel Arbeit in Ihrem Büro wartet.

Business Behaviour

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