Business Behaviour
Anfassen ist doch erlaubt

Bei Geschäften im Ausland küssen Männer schon mal Männer Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Was soll ich tun, wenn mich fremde Menschen einfach am Arm packen? Im Berufsleben. Und nur, um noch mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Männer wie Frauen, meist älter. Deutliches Zurückweichen scheinen diese Leute nicht zu registrieren, klagte kürzlich eine verärgerte Handelsblatt-Leserin. Ansprechen mochte sie den Punkt nie und schwieg stets - aber ärgern tat es sie doch.

Was tun? Durchhalten sollte sie, wenn das Zurücktreten nicht genügt. Alles andere führt höchstens zu Irritationen und Verletzungen des anderen. Der sich sicher nichts dabei denkt und es nur gut meint. Nur bei eindeutigen - womöglich sexuellen - Übergriffen ist es geboten, dem plump Vertraulichen auf die Finger zu klopfen.

Geschäftsleute auf internationalem Parkett erleben auch als Männer jedoch noch ganz andere Überraschungen. Und diese empfinden es je nach Landsmannschaft nicht unbedingt als Problem. Denn für einen Rheinländer ist es kein wirkliches Thema. Einem Norddeutschen dagegen sträuben sich die Nackenhaare: Wenn ihn jemand überraschend herzt, ihn drückt und umarmt oder - von Mann zu Mann - gar auf die Wangen küsst. Im Überschwang der Gefühle und trotz Job-Umfeld. Vielleicht weil der andere aus Frankreich oder Italien kommt, wo sich auch Männer und auch im beruflichen Umfeld küssen.

Sicher geschieht es nicht beim ersten Termin, aber nach längerer Zusammenarbeit kann es durchaus vorkommen. Und das sollte man auch akzeptieren und geschehen lassen. Alles andere wirkt nämlich wie eine Zurückweisung, die allenfalls das gute Geschäftsklima stört.

Hochnotpeinlich war es zum Beispiel einem befreundeten Unternehmer aus den Vereinigten Staaten, der in Saudi-Arabien Baumaschinen verkaufte. Sein Geschäftspartner dort nahm ihn plötzlich auf offener Straße minutenlang fest an die Hand - wie es hier nur ein Liebespärchen täte oder Eltern mit ihrem Kleinkind - und ließ ihn auch nicht so schnell los. Am liebsten hätte der Unternehmer seine Hand weggerissen. Doch er ahnte, dass diese Geste für die Kultur Saudi-Arabiens völlig selbstverständlich war und ein Überreagieren die aufkeimende Geschäftsbeziehung hätte platzen lassen können. Es blieb ihm nur, peinlich zu schwitzen und zu versuchen, sich trotzdem auf das Gespräch zu konzentrieren. Und gerade das zeichnete ihn als versierten internationalen Geschäftsmann aus: Dass er sich kontrollierte und stillhielt.

Selbst taktische Umarmungen, mit denen der andere Beobachtern - womöglich gegen Ihren Willen - signalisieren will, dass Sie mit ihm eine Einheit bilden, müssen sie - zähneknirschend - ertragen.

In Asien dagegen verhält es sich entgegengesetzt: Steht man in Deutschland etwa eine Armlänge entfernt voneinander - in südlichen Ländern etwas dichter -, so halten Chinesen und Japaner viel mehr Distanz. Bitte kommen Sie nie auf die Idee und fassen Sie Ihre Gesprächspartner an. Denn aufgezwungene Nähe gilt in Asien als respektlos und bedeutet einen Gesichtsverlust für den anderen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%