Business Behaviour
Auch Sponsoren suchen ein wenig Rampenlicht

Wer sponsert, darf nicht übergangen werden am Festabend, sondern hat Anspruch auf Ehrerbietung. Das erscheint uns selbstverständlich. Doch so denkt offenbar nicht jeder.

So erlebte ich vor kurzem bei einer Benefizveranstaltung zugunsten einer Kinderklinik, dass die Firmen aus der Umgebung sich großzügig zeigten und attraktive Preise für die Tombola spendeten: zwei Schmuckstücke, eins im Wert von 2 000 Euro und das andere sogar von 6 000 Euro. Eine junge, kleine Anlageberatung namens Wagner & Florack, spendeten einen Gutschein für 750 Euro für einen Fonds, den der Gewinner aussuchen sollte. Beachtlich für ein junges Unternehmen, wie ich finde. Trotzdem widerfuhr den Sponsoren Unangemessenes: Die Veranstalter erwähnten sie nur kurz. So, als seien solche Spenden selbstverständlich. Entsprechend fielen die Bemerkungen der Sponsoren an den Tischen aus: "Das war das letzte Mal", ärgerten sie sich laut. Beachtung fand dagegen nur - insbesondere bei den Fotografen der Lokalzeitung - eine Sparkasse, die einen übergroßen Scheck mit 1 000 Euro überreichte. Der Repräsentant der Bank war denn auch der einzige Sponsor, der eine Rede halten durften, obwohl von ihm beileibe nicht die höchste Summe kam. Dem plakativen wie fotogenen Scheck sei Dank.

Würde jede Sachspende so intensiv geregelt wie ein Sponsoring eines Fußballvereins, käme wohl kein Unternehmen dabei zu kurz. Doch gerade weil diese Geschenke so formlos und ohne geregelte Gegenleistung erfolgen, verdienen diese Sponsoren besondere Achtung. Die Gäste sollen die Sponsoren immer als solche wahrnehmen können. Am besten unübersehbar auf einer Sponsorenliste samt Logo am Ausgabestand der Tombola: "Wir danken unseren Spendern." Eine Sponsorenliste auf der Homepage im Internet genügt da keinesfalls - und lockt sicher auch keine Unternehmen an, im nächsten Jahr dabei sein zu wollen.

Was auch nicht passieren darf, ist das, was sich eine Schule im Rheinland diesen Sommer leistete. Sie druckte zwar die Sponsoren auf der Rückseite des Programms ab, doch haperte es am Dankschreiben. Die Direktorin beging den Fauxpas, den Firmen einen kopierten Dankesbrief zu schicken, ohne jeden handschriftlichen Zusatz, ohne eine handschriftliche persönliche Anrede und ohne eigenhändige Unterschrift. Die Reaktion eines Firmenvertreters: "Das war unsere letzte Spende, wenn wir denen nicht mal einen normalen Brief wert sind."

Die größte Konfrontation leistete sich gar ein Kabarettist, der vor mehreren hundert Gästen bei einem Festival auftrat. Die Veranstaltung wurde erst möglich durch das Sponsorenengagement eines Immobilienunternehmens, und der Kabarettist bekam sein normales Honorar. Die Gegenleistung: In den ersten beiden Reihen sollten Gäste des Sponsors sitzen dürfen. Doch das durchkreuzte der Kabarettist - der die ganze Zeit selbst ein werbewirksames T-Shirt mit der Adresse seiner Homepage trug - im letzten Augenblick und benahm sich wie die Axt im Walde. Wenige Minuten vor dem Beginn der Vorstellung, als der Festsaal sich schon füllte, nötigte er den Sponsor: Entweder er trete nicht auf oder das zahlende Publikum dürfe in die ersten zwei - eigentlich reservierten - Reihen aufrücken. Die peinliche Lage, in die der Kabarettist den Sponsor gegenüber dessen Gästen brachte, störte ihn nicht. Wo diese geladenen Ehrengäste sitzen sollten, war ihm egal. Jedenfalls nicht in den ersten Reihen.

Der Sponsor musste nolens volens gute Miene zu bösem Spiel machen, allein schon wegen des Zeitdrucks - und seine Gäste an den Rand lotsen, unter wortreichen Entschuldigungen. Es folgte ein Durch-den-Kakao-Ziehen des Kabarettisten aller Sponsoren, selbst der unschuldigsten Handwerksbetriebe. Doch als es aufs Ende zuging, setzte er dem Ganzen die Krone auf und verabschiedete sich ausdrücklich an seinen Verkaufsstand mit seinen handsignierten CDs.

Gabriele Schlegel ist Dozentin für Business Behaviour an der FH Bonn-Rhein-Sieg

Redaktion: Claudia Tödtmann

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